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Mehr Frauen in die Männerdomäne

von Friedhelm Römer, HSt

Wie bringt man Frauen in die Feu­er­wehr? Das ist eine der zen­tralen Fragen, die sich die Ver­ant­wort­li­chen seit einigen Jahren stellen. „Man darf keinen Unter­schied zwi­schen den Geschlech­tern machen. Das ist das Wich­tigste“, sagt Lena Wie­land. Die 26-Jährige ist stell­ver­tre­tende Jugend­wartin der Heil­bronner Feu­er­wehr und emp­fiehlt, dass man den Frauen etwas zutrauen und Ver­ant­wor­tung geben sollte.

Wer­bung in eigener Sache betrieben die Flo­ri­ansjünger am Samstag mit einem Work­shop an der Hasenmühle in Weins­berg. 30 Feu­er­wehr­frauen aus dem gesamten Kreis­ver­band waren erst­mals auf­ge­rufen, Grund­lagen der pati­en­ten­ge­rechten Unfall­ret­tung in Theorie und Praxis zu lernen. Ange­leitet von drei Aus­bil­dern der Firma Weber Rescue aus Güglingen, die Ret­tungs­werk­zeuge wie zum Bei­spiel Spreizer her­stellt.

Die Feu­er­wehr ist nach wie vor eine Männerdomäne. Ledig­lich knapp sechs Pro­zent beträgt der Anteil der Frauen im Kreis­feu­er­wehr­ver­band Heil­bronn. Aller­dings hat sich in den ver­gan­genen Jahren einiges getan. „Als ich vor sieben Jahren anfing, waren wir 130 Frauen. Heute haben wir 235. Darauf bin ich stolz“, erzählt Frau­en­spre­cherin Ste­phanie Göttert aus Unter­grup­pen­bach. Und der Heil­bronner Kreis­ver­band sei in Baden-Württem­berg mit seinen 4500 Mit­glieder bei den Aktiven einer der mit­glie­derstärkste Verbände.

Ein­ge­bunden Eber­hard Jochim, Kom­man­dant der Heil­bronner Feu­er­wehr, weiß um die Her­aus­for­de­rungen, den weib­li­chen Nach­wuchs zu erhöhen: „Die Frauen, die die Feu­er­wehr braucht, haben wenig Zeit. Sie sind im Beruf oder in der Kin­der­er­zie­hung ein­ge­bunden.“ Wovon er nur wenig hält, sind Quo­ten­frauen: „Das bringt uns über­haupt nichts.“ Seiner Mei­nung nach führt der Weg des­halb vor allem über Mund-zu-Mund-Pro­pa­ganda. Und zwar im Jugend­be­reich. „Unser Weg geht nur über die Jugend­feu­er­wehr.“ Mädchen sollen einen Ansprech­partner haben. „Wir müssen uns des­halb weib­liche Aus­bilder her­an­ziehen“, so Eber­hard Jochim.

Wert­voll Junge Frauen wie Lena Wie­land sind für die Feu­er­wehr von großem Wert. Was für sie das Beste an der Feu­er­wehr ist? „Die Kame­rad­schaft. Wir ziehen alle an einem Strang.“ Denn die Pro­bleme bei den Einsätzen könne man immer nur gemeinsam lösen. Außerdem pflegten sie Freund­schaften. Auch über den Tel­ler­rand hinaus.

Keine Ausreißer Der Frau­en­an­teil in den ein­zelnen Abtei­lungen sei ähnlich hoch. Ausreißer gibt es laut Pres­se­spre­cher Volker Lang nicht. In Heil­bronn sind es fünf Frauen, Weins­berg hat acht, Schwai­gern zehn. Im Gegen­satz zu den Frauen, deren Anteil kon­ti­nu­ier­lich auf nied­rigem Niveau steigt, geht er bei den Männern leicht zurück. Von 4157 im Jahr 2014 sank die Zahl im ver­gan­genen Jahr auf 4145.

Laut Eber­hard Jochim hat der geringe Frau­en­an­teil nur wenig mit Sachzwängen wie feh­lende, nach Männern und Frauen getrennte Umkleidemöglich­keiten in den Feu­er­wehr­ma­ga­zinen zu tun. Ste­phanie Göttert sowie Lena Wie­land bestätigen die Einschätzung des Kom­man­danten. Für sie ist es kein Pro­blem, sich neben den Männern umzu­ziehen. „Wenn aller­dings neue Feu­er­wehr­ma­ga­zine gebaut werden, gibt es dann auch Umklei­de­be­reiche für Frauen“, sagt Göttert.

Dass in der Feu­er­wehr drin­gend mehr Frauen nötig sind, steht für Lena Wie­land außer Frage: „Der Vor­teil von Mädels ist: Sie sind meis­tens krea­tiver als Jungs.“

Bild: Um das rich­tige Ver­halten bei einem Unfall ging es am Wochen­ende bei den weib­li­chen Aktiven der Feu­er­wehr. Sie wurden in Weins­berg geschult. (Foto: Mario Berger)