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Kein Bammel mehr vor dem Abstieg

Beilsteinvon Steffan Maurhoff, HSt

Bei Feu­er­wehr­festen geht es meist gemütlich zu. Man sitzt bei­ein­ander, pflegt die Gemein­schaft und feiert mit Men­schen, die einem im Ernst­fall blitz­schnell zu Hilfe eilen. Neu­lich beim Feu­er­wehr­fest in Obers­ten­feld ist Bri­gitte Schober-Schmutz aller­dings ein unan­ge­nehmer Gedanke durch den Kopf geschossen. Beim Anblick der neuen Großbot­t­warer Dreh­leiter war der Lei­terin des Hauses der Kin­der­kirche im Beil­steiner Schloss augen­blick­lich klar: „Die passt doch nie durch unser Tor durch.“

In der Tat wäre das Fahr­zeug viel zu wuchtig, um unter dem Tor­bogen hin­durch in den Innenhof des schmu­cken Anwe­sens zu gelangen. Im Brand­fall, so die Befürch­tung von Bri­gitte Schober Schmutz, wäre womöglich eine Ret­tung von Men­schen aus Gebäuden des Innen­hofs mit der Dreh­leiter gar nicht möglich. Ein untrag­barer Zustand für das Gästehaus mit seinen 30 Betten.

Schnelle Reak­tion Flugs schrieb Schober Schmutz eine E-Mail an den Beil­steiner Kom­man­danten Bernd Kir­cher, und der beraumte ebenso zügig eine Übung ein. Mit der trag­baren Leiter probten sich die Beil­steiner Wehr­leute jetzt diesen Ernst­fall.

Der hätte es durchaus in sich. Denn es wurde zwar erst im ver­gan­genen Jahr ein 90 mal 90 Zen­ti­meter großes Dachflächen­fenster im Dach des Haupt­hauses ein­ge­baut, durch das Men­schen im Ernst­fall fliehen, aber auch Feu­er­wehr­leute in voller Montur ein­steigen können. Doch von diesem Dachflächen­fenster führten nur drei Stufen weg − bevor es etliche Meter in die Tiefe geht.

Genau dort lehnten die Beil­steiner Wehr­leute die lange Leiter an und übten die dafür not­wen­digen Hand­griffe. Doch Haus­lei­terin Schober-Schmutz wollte mehr − obwohl sie genau davor mächtig Bammel hatte: selbst diesen luf­tigen Ret­tungsweg aus­pro­bieren. Kom­man­dant Kir­cher emp­fahl ihr, die Leiter sicher­heits­halber erst einmal vom Boden aus in Rich­tung Fenster zu erklimmen. „Ich bin da ziem­lich zügig hoch. Wir hatten ja früher Apfelbäume“, berichtet die Haus­lei­terin. Und dann machte sie sich tapfer an den Abstieg − gesi­chert mit einem Seil der Wehr­leute. „Ich habe mich richtig sicher gefühlt“, sagt Schober-Schmutz, wenn sie daran zurückdenkt. Erst recht, als sie, wenige Sprossen über dem Boden, dazu auf­ge­for­dert wurde, sich fallen zu lassen. „Das war klasse, die Wehrmänner haben mich halten können. Und ich bin ja ein schwe­reres Kaliber.“ Beru­hi­gend ist das für sie beson­ders wegen der in der Ein­rich­tung beson­ders häufigen Gäste: „Das heißt, wenn ein Kind da runter muss, kann nichts pas­sieren. Diese Angst habe ich jetzt nicht mehr.“

Bild: Mutiger Selbst­ver­such: Bri­gitte Schober-Schmutz beim Abstieg. (Foto: privat)