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Hitzige Debatte ums neue Feuerwehrhaus für Leingarten

Leingartenvon Claudia Kostner, HSt

Der Gemein­derat beschließt einen 5,2 Mil­lionen Euro teuren Neubau an der Nord­heimer Straße. Laut Feu­er­wehr werden sich durch den Standort die Ein­treff­zeiten ver­schlech­tern.

„Den Sach­vor­trag und die Power-Point-Präsen­ta­tion spare ich mir“, erklärte Lein­gar­tens Bürger­meister Ralf Stein­brenner. Die Argu­mente waren in zwei vor­an­ge­gan­genen Sit­zungen zur Genüge aus­ge­tauscht, von sieben poten­zi­ellen Feu­er­wehr­haus-Stand­orten fünf aus­sor­tiert worden. „Auch neue Stand­orte werden nicht mehr dazu kommen“, war sich der Rat­haus­chef sicher. So war es.

Doch die Stim­mung war auf­ge­heizt. Das Zuschau­er­inter­esse riesig. Am Ende folgte die Mehr­heit des Gemein­de­rats dem Vor­schlag der Ver­wal­tung: Das neue, vor­aus­sicht­lich 5,2 Mil­lionen Euro teure Feu­er­wehr­do­mizil wird an der Nord­heimer Straße (L1105) gebaut. Die Nutzer des Bike­parks atmeten auf.

Die Feu­er­wehr will lieber in der Südstraße bleiben

Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr sprach sich in ihrer schrift­li­chen Stel­lung­nahme nach wie vor für den Ausbau des jet­zigen Stand­orts Südstraße aus. Bike­park und Nord­heimer Straße ließen Ver­schlech­te­rungen der Ein­treff­zeiten erwarten. „Wenn wir uns kon­kret für einen der beiden Stand­orte aus­spre­chen würden, hieße es, wenn in zehn Jahren etwas wäre, die Feu­er­wehr hat es so gewollt“, ergänzte Kom­man­dant Rouven Leib­brand in der Sit­zung. Aus Feu­er­wehr­sicht erfülle aber der Standort Nord­heimer Straße mehr Anfor­de­rungen aus dem Feu­er­wehr­be­darfs­plan.

Layer: „Schluch­tern feu­er­wehr­tech­nisch abge­schnitten.“

Mat­thias Layer (CDU) sah das anders. „Aus­ge­hend vom Nord­heimer Kreisel ist Schluch­tern feu­er­wehr­tech­nisch endgültig abgehängt“, befürch­tete er. Die vor­ge­schrie­benen Ein­treff­zeiten seien nicht ein­zu­halten. „Das ist der schlech­teste von allen Stand­orten.“ Nach Rücksprache mit Experten sei in seinen Augen der Bike­park der stra­te­gisch beste Platz.

„Jeder Standort hat Argu­mente dafür und dagegen“, resümierte Wolf­gang Kret­sch­mann. Aber wenn die Südstraße wegen der hohen Kosten und des unsi­cheren Grund­er­werbs nicht mehr in Betracht käme, sprächen die meisten für den Nord­heimer Kreisel. „Es wäre bedau­erns­wert, wenn man da eine emo­tio­nale Sache draus macht“, so der SPD-Frak­ti­ons­chef.

„Natürlich ist es eine emo­tio­nale Ange­le­gen­heit für die Feu­er­wehr“, gab Rouven Leib­brand zu. „Und das ist auch gut so. Denn diese Leis­tung nach Fei­er­abend und mitten in der Nacht kann man nur bringen, wenn man brennt für dieses Thema“, so der Kom­man­dant.

Gemeinderäte sind verärgert über die Stel­lung­nahme der Feu­er­wehr

Richtig verärgert war FWV-Spre­cher Man­fred Eitel. Die Pla­nung sei kei­nes­wegs „über­hastet“, wie die Feu­er­wehr behaupte. Und der letzte Satz in deren Stel­lung­nahme sei „eine Frech­heit“. Dort heißt es: „Für die Ent­schei­dung wünschen wir Ihnen ein glückli­ches Händchen und erwarten gemäß Ihrem Auf­trag als gewählte Volks­ver­treter auch die Über­nahme der Ver­ant­wor­tung und das Tragen der Kon­se­quenzen.“ Auch Thilo Klar (CDU) gefiel das nicht. „Ich emp­fand das Schreiben als unverschämt“, erklärte er und sprach sich wie Eitel für die Nord­heimer Straße aus.

„Wir haben selten so lange und intensiv über ein Thema dis­ku­tiert“, stellte Bri­gitte Wolf (Grüne) fest und bedau­erte: „Die Stim­mung zwi­schen Gemein­derat und Feu­er­wehr hat sich ein­getrübt.“ Die Frage nach der Wertschätzung und die Stand­ort­frage seien zu sehr mit­ein­ander verknüpft worden. Aber ein Neubau bringe auf jeden Fall eine Ver­bes­se­rung, so die Frak­ti­ons­spre­cherin, die für die Nord­heimer Straße war.

Unglückliche Verknüpfung zweier Themen

„Wenn uns der Acker an der Nord­heimer Straße nicht gehören würde, wäre keiner auf die Idee gekommen, dort ein Feu­er­wehr­haus zu bauen“, meinte Mat­thias Hampel (CDU), der den Bike­park präferierte. Sie wolle „die beste Ver­sor­gung für alle Ein­wohner“ - und an der Nord­heimer Straße sei diese nicht gewährleistet, sagte Nina Adel­helm.

„Die beiden letzten zu dis­ku­tie­renden Stand­orte sind raus aus dem Raum, den der Bedarfs­plan und die Feu­er­wehr für gut befunden haben“, gab André Göbl zu bedenken. Für ihn sei die Südstraße der beste Platz. Die Wehr habe zu Recht bis zuletzt dafür gekämpft. Den­noch werde er sich für die Nord­heimer Straße aus­spre­chen, sagte der SPD-Rat und frühere Kom­man­dant. Bürger­meister Ralf Stein­brenner machte klar: „Man muss Kom­pro­misse finden, auch wenn sie wehtun.“

Wehr­leute beklagen man­gelnde Wertschätzung

Heiß her ging es auch beim Tages­ord­nungs­punkt „Neu­fas­sung der Feu­er­wehr-Entschädigungs­sat­zung“. Bisher bekommt etwa der Kom­man­dant in Lein­garten 125 Euro im Monat für sein Ehrenamt. In Zukunft sollten es, so der Vor­schlag der Feu­er­wehr, 450 Euro sein. Die Gemeinde will 300 Euro bezahlen und ori­en­tiert sich dabei an der Ein­woh­ner­zahl, wie vom Gemein­detag Baden-Württem­berg emp­fohlen.

„Der Vor­sit­zende des Kreis­feu­er­wehr­ver­bands Heil­bronn, Rein­hold Gall, hat gesagt, die Arbeit des Kom­man­danten sei mit der eines Zweck­ver­bands­vor­sit­zenden ver­gleichbar“, erklärte Rouven Leib­brand. Und er habe im Jahr 2017 ins­ge­samt 276 Ter­mine für die Feu­er­wehr wahr­ge­nommen. „Die Ver­ant­wor­tung, die ein Kom­man­dant trägt, ist enorm.“

Für ihn sei der weit abwei­chende Vor­schlag der Ver­wal­tung, der er zudem man­gelnde Kom­mu­ni­ka­tion vor­warf, „zu Papier gebrachte Wertschätzung der Feu­er­wehr. Ich frage mich, ob wir uns wei­terhin über das Maß hinaus enga­gieren werden, wie etwa beim Käsritt“.

Bürger­meister Ralf Stein­brenner, der auch Vor­sit­zender des Zweck­ver­bands Abwas­ser­be­sei­ti­gung Leintal ist, konnte das alles nicht nach­voll­ziehen. Thilo Klar (CDU) fragte nach, ob die Stel­lung­nahme ein „Feh­de­hand­schuh sei.“