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Hilfe für Helfer: Bevor der Einsatz krank macht

Eppingenvon Alexander Hettich, HSt

Feu­er­wehr­leute müssen mit großen psy­chi­schen Belas­tungen klar­kommen. Es gibt im Raum Heil­bronn meh­rere Stellen, die Unfall­be­tei­ligten aber auch Retter in see­li­scher Not auf­fangen. Darüber refe­rierte Roland Schmitt von der psy­cho­so­zialen Not­fall­ver­sor­gung des Arbeiter Sama­riter Bundes (ASB) ges­tern in Kirchardt vor Führungskräften der Feu­er­wehr aus dem Raum Eppingen und Bad Rap­penau. Alex­ander Het­tich hat vorab mit ihm gespro­chen.

Sie leisten Erste Hilfe für Helfer. Wer ist ihre Ziel­gruppe?

Roland Schmitt: Wir betreuen Ein­satzkräfte von Feu­er­wehr, Ret­tungs­diensten, Polizei, Kata­stro­phen­schutz und Kran­ken­haus­per­sonal, aber auch Flücht­lings­helfer − ein Rie­sen­feld von Per­sonen, deren Risiko für schwere psy­chi­sche Belas­tungen um das 15 bis 30-fache über dem von Nor­malbürgern liegt.

Bei der Ver­an­stal­tung in Kirchardt ging es spe­ziell um Feu­er­wehr­leute. Welche Erleb­nisse sind beson­ders belas­tend?

Schmitt: Einmal ging es um den tödli­chen Unfall eines Feu­er­wehr­ka­me­raden, wo die eigene Wehr als Erste vor Ort war. Es ist für die Ein­satzkräfte ganz dra­ma­tisch, wenn sie einen eigenen toten Kol­legen aus dem Wrack schneiden zu müssen.

Wo setzt die Unterstützung an?

Schmitt: Wir setzen an, bevor es zu den soge­nannten post­trau­ma­ti­schen Belas­tungsstörungen kommt. Wir leisten - quasi „Erste Hilfe für die Seele“, bevor Betrof­fene richtig krank werden und the­ra­piert werden müssen. Wir ver­su­chen, ihnen wieder einen Boden unter den Füßen und eine Struktur und Ord­nung in ihrem Leben zu geben.

Wie wird kon­kret geholfen?

Schmitt: Da gibt es meh­rere Säulen. Für die Akut­be­treuung während des Ein­satzes ist die Not­fall­seel­sorge zuständig, das ist der ökume­ni­sche Dienst der Kir­chen, beauf­tragt vom Stadt- und Land­kreis Heil­bronn. Meis­tens sind das Seel­sorger, die etwa die Auf­gabe haben, diese psy­chi­schen Aus­nah­me­si­tua­tionen für die Betrof­fenen abzu­mil­dern. Der Not­fall­nach­sor­ge­dienst des Roten Kreuzes kümmert sich um die Hilfe vor Ort an der Unfall­stelle und bietet wei­tere Res­sourcen an. Diese Einsätze sind meist nach wenigen Stunden vorbei.

Dann kommen Sie mit Ihrem Team ins Spiel.

Schmitt: Genau, danach kommen die nächsten Struk­turen, die inner­halb von vier bis sechs Wochen greifen. Es gibt den Ein­satz­nach­sor­ge­dienst vom DRK und unsere Psy­cho­so­ziale Not­fall­ver­sor­gung, die sich spe­ziell an Ein­satzkräfte richtet.

Was unter­scheidet Ein­satzkräfte von anderen Betrof­fenen im Umgang mit trau­ma­ti­schen Situa­tionen?

Schmitt: Sie sind darauf trai­niert, in der Extrem­si­tua­tion hand­lungsfähig zu bleiben. Die Belas­tungen treten dann eher im Nach­hinein auf.

Wie kommen Hil­fe­su­chende zu Ihnen?

Schmitt: Dass es die Ange­bote gibt, wird in der Aus­bil­dung ange­spro­chen. Wir sind bekannt und werden direkt ange­spro­chen. Unsere Gruppe setzt sich aus Hel­fern aller Fach­dienste zusammen, Feu­er­wehr­leute, Sanitäter oder Poli­zisten sind dar­unter. Die spre­chen die­selbe Sprache und haben einen leich­teren Zugang als etwa Pfarrer oder andere psy­cho­so­ziale Fachkräfte. Dann gibt es struk­tu­rierte Gruppen- oder Ein­zel­gespräche. Wir erkennen, wer ärzt­liche Hilfe braucht.

Was sind die typi­schen Warn­zei­chen für psy­chi­sche Pro­bleme?

Schmitt: Betrof­fene ziehen sich oft zurück, ändern Ess- und Trink­ver­halten, rau­chen mehr. Zum Teil gibt es extreme Reiz­bar­keit bis hin zu Aggres­sivität. Das sind typi­sche Stress­re­ak­tion. Wir wollen nicht, dass sie wie früher mit dem Rat bekämpft werden: Schlaf halt eine Nacht nicht, und trink zwei Bier mehr.

Ein Feu­er­wehr­mann kennt keinen Schmerz, auch keinen see­li­schen. Ist solch falsch ver­stan­dener Hel­denmut noch ein Pro­blem?

Schmitt: Ein Feu­er­wehr­mann ist stark wie eine deut­sche Eiche − diese Ansicht von alten Hau­degen gibt es schon noch, wird aber sel­tener. Trotzdem: 80 Pro­zent der Signale laufen ohne Worte ab, die Betrof­fenen sagen das nicht. Wir wollen Führungskräfte der Feu­er­wehr sen­si­bi­li­sieren, das zu erkennen.

Bild: Roland Schmitt