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Fieberhafte Tätersuche nach Brandserie in Gundelsheim

Gundelsheimvon Alexander Klug, HSt

Die Gun­dels­heimer Brand­serie, die seit vielen Monaten andauert, beschäftigt die Men­schen im Ort, die Ermittler der Polizei und die Gun­dels­heimer Feu­er­wehr. Die Polizei geht von Zusam­menhängen aus.

Hun­derte Ballen Stroh stehen in Flammen, tage­lang ist die Feu­er­wehr im Ein­satz. Die Ereig­nisse am Diens­tag­abend lassen die Reihe von Feuern in und um Gun­dels­heim weiter anwachsen. An ver­schie­denen Orten in der Stadt hat es in den ver­gan­genen Monaten gebrannt, die Polizei geht von Brand­stif­tung aus.

Ein eigens ein­ge­rich­tetes, zwölfköpfiges Ermitt­ler­team unter­sucht Brand­ur­sa­chen und Zusam­menhänge. Die Schäden dürften sich mitt­ler­weile auf mehr als eine Mil­lion Euro sum­mieren.

Zusam­men­hang liegt auf der Hand

Die Serie sorgt für Unruhe im Ort, zumal die Brand­orte auf den ersten Blick keine Gemein­sam­keiten auf­weisen. Doch gehen auch die Ermittler davon aus, dass die Feuer mit­ein­ander zu tun haben. Der Zusam­men­hang etwa zwi­schen Stroh­ballen und Brand­serie liege auf der Hand, sagte Frank Belz bereits am Mitt­woch. Er ist Spre­cher des Poli­zeipräsidiums Heil­bronn. Man wolle den oder die Täter so schnell wie möglich aus­findig machen. „Schon des­wegen ist es wichtig, keine Details zu den Ermitt­lungen zu veröffent­li­chen.“

Man habe ältere Feuer erneut unter­sucht und neu bewertet, führt Frank Belz aus. Zudem seien Experten des Lan­des­kri­mi­nal­amtes in Stutt­gart zur Aus­wer­tung von Spuren hin­zu­ge­zogen worden. Über die Ergeb­nisse der Unter­su­chungen will Belz aber nicht spre­chen. Hin­weise, die auf einen Zusam­men­hang mit dem Feuer hin­deuten, dem am 10. Oktober eine Scheune im benach­barten Bad Fried­richs­hall zum Opfer fiel, lägen den Ermitt­lern der­zeit keine vor.

Feu­er­wehr zwi­schen­zeit­lich an der Grenze der Belast­bar­keit

Was mögliche Täter angeht, will der Gun­dels­heimer Feu­er­wehr­kom­man­dant Tobias Gärtner nicht spe­ku­lieren. Der 41-Jährige leitet die Wehr seit sechs Jahren und war bei allen größeren Bränden am Ort des Gesche­hens. Nach einer gewissen Zeit der Ruhe seit Mitte Sep­tember sei man nun beun­ru­higt, dass die Serie wei­ter­geht. Denn dass es sich um Brand­stif­tung han­delt, sei aus seiner Sicht sehr wahr­schein­lich. „Im Sommer, wenn es heiß ist, kann sich ein Stroh­ballen auch mal von alleine entzünden“, sagt der Kom­man­dant. „Aber zu dieser Jah­res­zeit? Sehr unwahr­schein­lich.“

Zwi­schen­zeit­lich hatten die vielen Einsätze die Gun­dels­heimer Feu­er­wehr an die Grenzen der Belast­bar­keit gebracht - ihr gehören nach Gärtners Angaben 170 aktive Feu­er­wehr­leute an. „Es geht ja nicht nur um die Löschar­beiten selbst, son­dern es gibt ja auch einen Ein­satz nach dem Ein­satz“, sagt der Brandbekämpfer. Dazu gehöre zum Bei­spiel das Rei­nigen der Fahr­zeuge oder die War­tung von Schläuchen und Atem­schutzgeräten in zen­tralen Werkstätten in Heil­bronn und Neckar­sulm.

Enga­ge­ment erfor­dert viel Verständnis des Umfelds

Allein der per­so­nelle Ein­satz sei hoch. In der ersten Zeit nach den eigent­li­chen Löschar­beiten blieben zehn bis zwölf Mann auf dem Feld bei Tie­fen­bach zurück - in der zweiten Nacht waren es noch vier. „Im Sommer gab es Wochen, da hat es zwei oder drei Mal in einer Woche gebrannt“, sagt Gärtner. „Wir haben 170 Aktive, da kann man ein biss­chen durch­tau­schen, wer wel­chen Dienst hat. Aber das hat Grenzen.“ Zumal man die Belas­tung nicht unterschätzen dürfe.

„Man geht abends mit einem merkwürdigen Gefühl ins Bett, wenn man Angst hat, gleich wieder raus zu müssen“, sagt der Kom­man­dant. „Der Schlaf ist dann auch nicht der beste.“ Das habe er auch von einigen Kame­raden gehört. Immerhin gehe es um frei­wil­liges Enga­ge­ment. „In sol­chen Phasen muss das Umfeld der Feu­er­wehr­leute viel Verständnis auf­bringen. Väter sind eine Zeit lang weniger zu Hause. Ange­stellte ver­lassen den Arbeits­platz“, schil­dert Gärtner. „Das ist nicht immer ein­fach. Aber ohne dieses Verständnis geht es nicht.“

In einer kleinen Stadt komme hinzu, so der Kom­man­dant, dass die Feu­er­wehr­leute die von den Bränden Betrof­fenen oft kennen. „Da weiß man oft, wem das Haus, das Holz, das Heu oder das Stroh gehört haben und bekommt das Schicksal der Men­schen mit.“ Auch das trage zur Belas­tung der Feu­er­wehr­leute bei.

Beloh­nung für Hin­weise

Für Hin­weise zu den Bränden hat die Polizei eine Beloh­nung in Höhe von 4000 Euro aus­ge­lobt. Die Beamten sind unter 07131-1044444 zu errei­chen.