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Feuerwehr auf dem Prüfstand

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Kirsi-Fee Rexin, HSt

Ein Ver­kehrs­un­fall nachts um 2 Uhr. Eine Person ist in ihrem roten Fahr­zeug ein­ge­sperrt und kann sich alleine nicht daraus befreien. Hinzu kommt, dass sich der Pkw unge­si­chert mitten auf der Fahr­bahn befindet. Jeder­zeit könnte ein anderes Auto in den Unfall­wagen rasen. Jetzt müssen die neun jungen Männer der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Weins­berg-Wimm­ental und der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Ils­feld genau wissen, was zu tun ist.

Auch wenn der Ein­satz am Sams­tag­mittag auf dem Park­platz beim Bad Fried­richs­haller Sport­park nur insze­niert ist, muss jeder Hand­griff sitzen. Denn die erfolg­reiche Hil­fe­leis­tung ist Teil der Prüfung für das gol­dene Leis­tungs­ab­zei­chen. Schließlich hängt im wahren Leben von der rich­tigen Vor­ge­hens­weise der Feu­er­wehr oft das Leben eines Men­schen ab.

Realitätsnah

„Die Per­so­nen­ret­tung hat oberstes Gebot“, erklärt Rein­hold Gall, der seit 2009 Vor­sit­zender des Kreis­feu­er­wehr­ver­bands Heil­bronn ist. Dem­entspre­chend gehen die Männer auch ans Werk: Auf Befehl des Grup­penführers kümmern sich zwei junge Männer, der Angriffs­trupp, um die Öffnung des Fahr­zeugs. „Sie können die Tür ent­weder spreizen oder auf­schneiden, um die Person her­aus­zu­holen“, erklärt Marcel Vogt, Kom­man­dant der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Bad Fried­richs­hall.

Während der Angriffs­trupp an einem Modell das Spreizen der Autotür simu­liert, sichert der Was­ser­trupp die Unfall­stelle mit Ver­kehrs­zei­chen und sperrt die Fahr­bahn ab. Als die Person aus dem Wagen­in­neren befreit ist, stehen zwei Männer des Was­ser­trupps mit einer Kran­ken­trage parat, um das Opfer auf die Liege zu heben und es bis zum Ein­treffen des Kran­ken­wa­gens zu ver­sorgen.

„Der soge­nannte Melder über­nimmt die Brand­schutz­si­che­rung. Aus­lau­fende Flüssig­keiten wie Benzin oder Öl könnten einen Brand auslösen“, lässt Feu­er­wehr­kom­man­dant Vogt wissen. Der Schlauch­trupp hat sich während­dessen um die Beleuch­tung gekümmert, die bei einer Ret­tungs­ak­tion in der Nacht unerlässlich ist. An anderer Stelle binden Angriffsführer und Angriffs­mann einen Kanister und eine Ket­tensäge mit gekonnter Kno­ten­technik an ein Seil.

Jedes Jahr schreibt das Land­ratsamt Heil­bronn den Wett­be­werb aus, der immer woan­ders aus­ge­richtet wird. Dieses Mal ist Bad Fried­richs­hall an der Reihe. „Mit dem Leis­tungs­ab­zei­chen stellen wir sicher, dass das Aus­bil­dungs­ni­veau der Feu­er­wehren im Land­kreis ein­heit­lich ist“, erklärt der Kreis­brand­meister beim Land­ratsamt, Uwe Vogel.

Neben dem Land­kreis Heil­bronn treten an diesem Wochen­ende auch Gruppen aus dem Hohen­lo­he­kreis, dem Enz­kreis und dem Land­kreis Lud­wigs­burg zu den drei ver­schie­denen Leis­tungs­ab­zei­chen Bronze, Silber und Gold an. Doch erst wer Bronze erreicht hat, darf im kom­menden Jahr für das Silber und dann für Gold antreten. Denn die Leis­tungs­ab­zei­chen bauen auf­ein­ander auf. Ein halbes Jahr vorher werde schon wöchent­lich geübt. Jeder muss jede Funk­tion über­nehmen, denn „ob man in der als Melder, Angriffs- oder Was­ser­trupp ein­ge­setzt wird, wird erst vor der Prüfung aus­ge­lost. Doch das Trai­ning schweißt die Truppe zusammen“, weiß Vogt. „Und dadurch klappt es auch im Ein­satz“, ergänzt Kreis­brand­meister Vogel.

Erleich­tert

Kai Acker­mann von der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Weins­berg-Wimm­ental hat mit seinen Kol­legen die gol­dene Leis­tungsprüfung in den gefor­derten acht Minuten erfolg­reich gemeis­tert. Mit zehn Feh­ler­punkten, die die Schieds­richter beob­ach­tete hatten, sind sie in der Feh­ler­to­le­ranz von 30 Punkten geblieben. Die Auf­gaben, die das gol­dene Leis­tungs­ab­zei­chen sonst noch ver­langt, haben der 20-Jährige und sein Team schon zuvor erfolg­reich bewältigt. „Es ist erleich­ternd“, erklärt er mit ver­schwitzter Stirn. „Angst hatte ich davor, Befehle wie­der­holen zu müssen“, gibt er zu. Doch als Was­ser­trupp im Ein­satz zu sein, habe „sehr gut gepasst“.

Fotos: KFV-Medi­en­team