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Eppingens Feuerwehr ist Spitze an der Spritze

Eppingenvon Nicole Theuer, HSt

Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr hat einen his­to­ri­schen Löschzug - und nicht nur die. Doch von dem ganzen Dut­zend geschichts­freu­diger Löschtrupps spritzen die Eppinger das Wasser am wei­testen. Sie gewinnen einen Wett­kampf an der Hand­druck­spritze.

Einmal mehr sicherte sich die his­to­ri­sche Abtei­lung der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Eppingen den Sieg im Hand­druck­sprit­zen­wett­be­werb. „Es ist immer wieder schön, wenn man den Wan­der­pokal in den Händen hält“, bekannte Obmann Alex­ander Wagner, der dem his­to­ri­schen Löschzug als Kom­man­dant vor­steht, „aber in diesem Jahr war eine Gruppe Jugend­li­cher dabei, die den Pokal eigent­lich bekommen hätten sollen.“ Einen ersten Platz bekam die Jugend­gruppe auch, aber eben nicht den begehrten Wan­der­pokal, der wei­terhin in der Fach­werk­stadt bleibt.

Das alte Gerät der Kame­raden ist nagelneu

Lan­des­feu­er­wehrtag 2018, Hei­del­berg, unter der Alten Brücke. Für einen Sonntag wird die B 37, eine der Haupt­ver­kehrs­adern der Stadt, zur Feu­er­wehr­meile. Zwi­schen all den modernen Fahr­zeugen muten die his­to­ri­schen Gerätschaften fast schon skurril an. Es ist ein Déjà-vu mit der Ver­gan­gen­heit, mit dem Großher­zogtum Baden, der Zeit der Pfer­de­fuhr­werke und dem Beginn des Löschwe­sens in Deutsch­land.

Damals war Hand­ar­beit gefragt, elek­tri­sche Pumpen gab es nicht. Im Brand­fall rückte die Feu­er­wehr mit einer Hand­pumpe an. Eine solche Pumpe, Bau­jahr 1847, mit Bei­wagen hatte die Eppinger Dele­ga­tion im Gepäck. „Der Bei­wagen stand in einer Feld­scheune in Richen“, erin­nert sich Wagner. „Den haben wir im ver­gan­genen Jahr restau­riert und erst­mals vor­ge­stellt.“

Diese Tugenden fördert die Feu­er­wehr

Für das his­to­ri­sche Ensemble ern­teten die Fach­werkstädter Lob. Aus­stat­tung und Ausrüstung spielen bei der Wer­tung auch eine Rolle und ein sol­ches Ensemble ist etwas Beson­deres. Im Bei­wagen wurden Ret­tungsgeräte, Leinen, Äxte und Säge trans­por­tiert. Am Ein­satzort diente der Behälter dann als Was­ser­spei­cher.

„Früher brauchte man viel mehr Man­power“, zollte Kom­man­dant Thomas Blösch seinen Kame­raden Respekt für die Leis­tung. Blösch ist stolz auf das Erbe der Vor­fahren. „Wir machen das zum einen, um die Tra­di­tion zu wahren, zum anderen auch für die Kame­rad­schaft und den Zusam­men­halt“, erklärt er. Wagner ergänzt: „Ein sol­cher Wett­be­werb schweißt zusammen.“

Dis­zi­plin für Detail­freu­dige: Die Restau­ra­tion

Denn mit dem Auf­tritt alleine ist es nicht getan: Im Vor­feld muss die Ausrüstung kon­trol­liert und gege­be­nen­falls restau­riert werden. „Der Bewer­tungs­kom­mis­sion fällt alles auf, da kann man sich keine fal­sche Schraube erlauben“, so Wagner. Doch diese Arbeit macht ihm Spaß. „Wir restau­rieren ja alles selbst“, so Wagner, dessen Ste­cken­pferd es ist, über alte Vor­lagen und Bücher her­aus­zu­finden, wie die Geräte und Hilfs­mittel wie Leder­riemen früher aus­sahen und her­ge­stellt wurden.

Auch der Ablauf der Vorführung ori­en­tiert sich streng am his­to­ri­schen Vor­bild. „In alten Büchern ist der Ablauf genau beschrieben“, weiß Wagner. Mit solch einem Hand­buch hat die Abtei­lung trai­niert. Jeder Schritt muss stimmen, jeder Hand­griff sitzen, jedes Kom­mando und jede Mel­dung kor­rekt sein, nur dann hat man im Feld der starken Kon­kur­renz eine Chance.

Plötzlich wird es hauchdünn

„Es ist ja nicht so, dass wir mit zehn Punkten Vor­sprung gewinnen“, so Wagner, „es ist alles eng, und am Ende ent­scheidet die Pump­leis­tung.“ Trotz nahezu 40 Grad Hitze galt es, zu pumpen, was das Zeug hielt. Der Was­ser­strahl musste möglichst weit spritzen. Dabei standen die Eppinger im Wett­streit mit einem Dut­zend Abtei­lungen. „Es hat sehr gut geklappt“, freut sich Wagner.

Den Titel möchten die Fach­werkstädter 2019 in Win­nenden ver­tei­digen. „Es wird nicht ein­fa­cher, vom Mate­rial her sind wir fast aus­ge­reizt“, hat Wagner fest­ge­stellt. Er freut sich, „dass wir im Team junge Leute haben, denn bei einigen anderen Abtei­lungen kann man langsam fest­stellen, dass sie überal­tern“.

Wer trägt die rote Laterne?

In Eppingen ist es jedem Kame­raden selbst über­lassen, ob er zur his­to­ri­schen Abtei­lung will. 24 Männer und eine Frau hatte Wagner dabei - dar­unter auch eine Hor­nistin und einen Later­nenträger. „Ich habe in einem alten Buch geschaut“, verrät Wagner, „und her­aus­ge­funden, dass es damals wie heute die rote Laterne gab, die neben dem Kom­man­danten stand und heute das Fahr­zeug mit dem Ein­satz­leiter mar­kiert.“