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Ein Rettungswagen für Schwergewichte

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Helmut Buchholz, HSt

Die Men­schen in Deutsch­land werden im Schnitt immer dicker. Und das wird zuneh­mend auch für die Ret­tungs­or­ga­ni­sa­tionen ein schwer­wie­gendes Pro­blem. Bisher mussten die Retter impro­vi­sieren. Andreas Bester von der Ret­tungs­leit­stelle des Arbei­ter­sa­ma­ri­ter­bundes hat schon erlebt, dass die Feu­er­wehr ein Kli­nik­bett kom­plett mit dem Kran durch die Lüfte trans­por­tierte.

Oder das DRK bat Kol­legen zum Bei­spiel aus Karls­ruhe aus­zu­helfen, die schon länger über ein Spe­zi­al­mobil für Schwer­ge­wich­tige verfügen. Doch jetzt bre­chen neue Zeiten an. Das DRK Heil­bronn hat nun sein erstes eigenes Ret­tungs­fahr­zeug für schwer­ge­wich­tige Pati­enten in Dienst gestellt.

„Wir sind sehr froh, dass wir das Fahr­zeug haben“, sagt ges­tern DRK-Ret­tungs­dienst­leister Markus Stahl im Rot-Kreuz-Haupt­quar­tier am Gesund­brunnen, wo der Wagen mit dem Kenn­zei­chen HN-RK 8360 künftig sta­tio­niert ist. Denn die Trage in anderen Ret­tungs­fahr­zeugen war „nur“ bis zu 240 Kilo schwere Per­sonen aus­ge­legt. Die neue Trag­last beträgt bis maximal 300 Kilo. Die Liege ist breiter und länger, alles funk­tio­niert hydrau­lisch, der Sanitäter muss keine große Kraft mehr auf­wenden. „Das ist auch eine große Erleich­te­rung fürs Per­sonal“, unter­streicht DRK-Vizepräsident Bern­hard Steck.

Zum Equip­ment gehört aber auch ein Stuhl mit einem zulässigen Gesamt­ge­wicht von 270 Kilo, der auf Rollen läuft. Mit diesem Sitz können Pati­enten besser aus höheren Stock­werken über Treppen zum Ret­tungs­fahr­zeug befördert werden. Die Ausrüstung beinhaltet zudem Gleittücher mit verstärktem Rücken, mit denen Retter sehr schwere Men­schen über Trep­pen­stufen gleiten lassen können.

Kosten Der Ret­tungs­wagen für die ganz schweren Fälle soll bei Bedarf ausrücken - und zwar im ganzen Kreis Heil­bronn und in Hohen­lohe. Er kos­tete 130 000 Euro, finan­ziert von den Kos­tenträgern, den Kran­ken­kassen. Ret­tungs­dienst­leiter Markus Stahl lässt keinen Zweifel daran, wie not­wendig die Anschaf­fung ist. „Früher waren solche Einsätze zwar eher die Aus­nahme.“ Doch heute fällt rund einer pro Woche an, ergänzt DRK-Kreis­geschäftsführer Ludwig Land­zettel: „Und wir gehen davon, dass das in Zukunft zunimmt.“

Wil­helm Salch von den Johan­ni­tern erklärt, dass die Anschaf­fung auch etwas mit Präven­tion von Ret­tungs­as­sis­tenten und Not­fall­sanitätern zu tun hat. Das seien „Man­gel­be­rufe“. Nach­wuchs zu bekommen, ist nicht so ein­fach, gleich­zeitig ist die Belas­tung groß. Außerdem müssten die Fachkräfte die schwere Arbeit über viele Jahre hinweg leisten. Das Spe­zi­al­ret­tungs­fahr­zeug ist hier eine Hilfe.

Für die extremsten der extremen Fälle steht wei­terhin die Heil­bronner Berufs­feu­er­wehr bereit. „Es kann vor­kommen, dass wir Fensteröffnungen vergrößern müssen“, berichtet Feu­er­wehr­spre­cher Jürgen Vogt. Für Per­sonen bis zu 500 Kilo­gramm gibt es einen Ret­tungs­korb, der mit einem Kran zu Boden gelassen wird. Für den Trans­port zum Ret­tungs­korb hat die Wehr zwei XXL-Ret­tungstücher mit einer maxi­malen Trag­kraft von 500 Kilo.

Bild: DRK-Ret­tungs­dienst­leiter Markus Stahl demons­triert mit einem Pro­banden den Trans­port in das Ret­tungs­fahr­zeug für Schwer­ge­wich­tige. 130?000 Euro kos­tete das Son­der­mo­dell, das im Kreis Heil­bronn und Hohen­lohe zum Ein­satz kommt. (Fotos: Mugler)