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Wenn der Hund über den Zuschauern schwebt

Eppingenvon Christine Weller, HSt

Eine Sirene heult auf. Wer jetzt in Richen die Steb­ba­cher Straße noch nicht erreicht hat, beginnt eilig zu laufen: Jung und alt zieht es am Sonn­tag­nach­mittag zu den Vorführungen anlässlich des 40-jährigen Bestehens der DRK-Orts­gruppe.

13 Uhr: Um die Grünfläche vor der Grund­schule sind schon viele Schau­lus­tige ver­sam­melt. Davor hat die Eppinger Feu­er­wehr ein Auto mit Dreh­leiter auf­ge­stellt. Rechts das Ein­satz­fahr­zeug der Ret­tungs­hun­de­staffel Unter­land. Fröhli­ches Bellen erfüllt die Luft. Gehorsam ver­weilen die Vier­beiner an der Leine ihrer Führer. Gleich sollen sie zeigen, was sie gelernt haben.

Über das Mikrofon stellt Ein­satz­leiter Wachnow seine Kame­raden vor: Die Ret­tungs­staffel Unter­land gibt es seit 1974. Sie ist die älteste pri­vat­recht­lich orga­ni­sierte Staffel in Deutsch­land und verfügt über neun ein­satzfähige Teams - „alles Idea­listen, die ehren­amt­lich arbeiten“. Alar­miert werden sie über die Polizei: „Zu 90 Pro­zent werden wir zur Flächen­suche gerufen“. Das bedeutet, ver­misste Per­sonen auf­zu­finden. Der Rest ist Trümmer­suche, die zum Bei­spiel bei Einsätzen in Erd­be­ben­ge­bieten Leben retten kann.

„Wichtig ist zunächst der Gehorsam der Hunde und dass sie sich unter­ein­ander ver­tragen“, erklärt Oliver Wachnow die erste Übung. Brav folgen die zehn Vier­beiner ihren Führern, laufen im Slalom, bilden einen Kreis und folgen dem Kom­mando „Ablegen!“ Ver­schie­dene Rassen mitt­lerer Größe sind ver­treten; die gutmütigen Retriever über­wiegen.

Denen gehört auch der geleh­rige weiße Mogli an, der so eben auf Befehl von Elke Utzel­meier durch einen großen Plas­tik­schlauch kriecht. Angst vor einer sol­chen Höhle dürfen die Bellos nicht haben. Sicher bewegt sich der Hund auch auf schwan­kenden Bret­tern in mitt­lerer Höhe oder klet­tert uner­schro­cken über eine quer gelegte Leiter. Nun aber darf Mogli zeigen, dass er auch absolut schwin­del­frei ist: An der Dreh­leiter der Eppinger Feu­er­wehr werden Hund und Frau­chen in beängs­ti­gende Höhe gehievt und schweben minu­ten­lang über der Steb­ba­cher Straße.

Den Zuschauern stockt fast der Atem: Langsam und sicher seilen die Flo­ri­ansjünger das beson­dere Ret­tungs­team auf dem Rasen vor der Schule wieder ab. Mogli schwänzelt, als ihm der Gurt abge­nommen wird und stöbert fröhlich bel­lend eine „Ver­misste“ in einem Berg aus Stroh­ballen auf. Begeis­terter Bei­fall.

Nur langsam trennen sich die Zuschauer von den Hunden und warten auf die nächste Vorführung. Gegen 14.30 Uhr: Wieder Alarm in Richen. Dieses Mal „brennt“ ein Lager­haus. In kürzester Zeit rücken jeweils 15 Mann der örtli­chen Feu­er­wehr und des DRK an. Ein­satz­leiter hier ist Manuel Rode­mark. Feu­er­wehr­kom­man­dant Alex­ander Kraut teilt seine Männer in zwei Gruppen und geht selbst mit der ersten zur Men­schen­ret­tung ins bren­nende Gebäude.

Den Flammen stellt sich außen Udo Geb­hard mit dem Rest der Mann­schaft ent­gegen. Klar, dass auch die Helfer vom DRK schnell alles im Griff haben. Beein­druckt von der Leis­tungsfähig­keit ihrer frei­wil­ligen Retter können die Richener Bürger nun nach Hauses gehen.