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RESCUE-DAYS: Die Suche nach der schonendsten Befreiungsart

von Franziska Feinäugle, HSt

Ein Sekun­den­bruch­teil, und der Rad­lader hat dem nagel­neuen E-Klasse-Mer­cedes das Dach ein­ge­schlagen. Wenige Meter weiter wird ein roter Pkw kopfüber auf eine Mauer fallen gelassen. Klingt nach Action­film. Ist aber auf der Heil­bronner The­re­si­en­wiese, und ist das welt­weit erste Ret­tungs­se­minar dieser Größenord­nung.

Rund 70 (großteils schon schrott­reife) Pkw und zehn Lkw sind am Wochen­ende unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit am Heil­bronner Neckar­ufer zer­schnitten und zer­legt worden: immer auf der Suche nach der schon­endsten Methode, einen ver­un­fallten Men­schen aus dem Wrack seines Fahr­zeugs zu befreien. „Wir wollen nicht nur die besten Ret­tungsgeräte der Welt pro­du­zieren, son­dern auch den rich­tigen Umgang damit ver­mit­teln“, nennt Reiner Stuber von der Güglinger Weber-Hydraulik GmbH das Motiv für dieses ehr­gei­zige Pro­jekt.

Der Unterländer Hydraulik-Her­steller ist im Bereich Ret­tungsgeräte deutsch­land- und öster­reich­weit Marktführer und auch welt­weit unter den führenden Firmen. Selbst im Iran und in Nigeria halten die Aus­bilder der Firma regelmäßig Kata­stro­phen­schutz­se­mi­nare ab. Bei den „Rescue days “ auf der The­re­si­en­wiese soll erst­mals „alles Know-How ein­fließen“, erklärt Weber-Pro­ku­rist Volker Ober­ha­ge­mann die Auf­sehen erre­gende Aktion, die 120 Teil­nehmer aus ganz Deutsch­land, Luxem­burg, der Schweiz, Öster­reich, Ita­lien und von allen großen Feu­er­wehren der Nie­der­lande nach Heil­bronn gelockt hat - für 380 Euro Semi­nargebühr pro Kopf.

„Dass man da 100 000 Euro teure Autos zer­schneiden darf“ , sagt Albert Schiegl von der Lan­des­feu­er­wehr­schule Regens­burg, „das hat schon weh getan.“ Der Audi A 8 mit gerade mal fünf Kilo­me­tern auf dem Tacho, der BMW 318i, das Mer­cedes CLK-Cabrio: All die Luxus­klas­se­wagen sind nach ihrem Auf­tritt beim Frei­luftse­minar nicht mehr zu gebrau­chen. „Hier geht's nicht ums Befreien“, ver­deut­licht Ober­ha­ge­mann den Unter­schied zu den anderen Übungs­sta­tionen, „son­dern darum, wie das Auto funk­tio­niert. “

Wer wüsste schon auf Anhieb, dass die Bat­terie - die nach einem schweren Unfall sofort abge­klemmt werden muss, um zu ver­hin­dern, dass das Fahr­zeug womöglich zu brennen beginnt oder ein Airbag auslöst - beim E-Klasse-Mer­cedes nicht etwa unter der Motor­haube, son­dern ver­steckt unterm Kof­fer­raum liegt? Die Luxus-Anschau­ungs­ob­jekte muss Weber-Hydraulik den großzügigen Auto­mo­bil­her­stel­lern übri­gens nach dem Seminar zer­schnitten zurückgeben - ein­fach um sicher­zu­stellen, dass die Autos auch tatsächlich fürs Seminar benutzt wurden. . .

Schon beim Anblick des grauen Citroen bekommt man Gänse­haut: Er ist - fiktiv, aber es sieht sehr echt aus - unter einen Lkw-Auf­lieger gerast, der (Puppen-)Fahrer ein­ge­klemmt. Kurt Schoen­feld zeigt den ame­rican way of rescue: Vom Kof­fer­raum kom­mend schneiden die Feu­er­wehr­leute die Sitze und alles andere weg, was im Weg ist, um den Ver­letzten zu bergen. Jürgen Vogt von der Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn foto­gra­fiert, um seine Kol­legen später wei­ter­zu­bilden. „Wir hätten die Person links über die Seite geholt“, sagt er. Auch das wird ver­mit­telt: Meist gibt es meh­rere Methoden.