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Passanten weinen, Ermittler rätseln

Bad Wimpfenvon Franziska Feinäugle, HSt

Der Anblick lässt einem Tränen in die Augen steigen. „Sie glauben gar nicht, wie viele Leute hier schon geweint haben“, sagt Her­bert Benz­schawel, der mit seinen Kripo-Kol­legen bis ges­tern in der Ruine des Bad Wimp­fener Fach­werk-Hotels Sonne nach der Brand­ur­sache gesucht hat. Sie wird wohl nie gefunden werden.

„Es wird uns wahr­schein­lich nicht gelingen, endgültig zu sagen: Das war's“, macht sich der Kripo-Mann schon während der drei Tage dau­ernden Suche vor Ort keine Illu­sionen. Nichts deutet auf Brand­stif­tung hin. Um genau nach­weisen zu können, wo das Feuer in der Nacht zum Montag aus­ge­bro­chen ist, haben die Flammen zu viel ver­nichtet. „Ich kann mich an keinen anderen Fall erin­nern, in dem ein Wohngebäude derart stark abge­brannt ist“, sagt Benz­schawel, seit 20 Jahren Brand­er­mittler.

Noch Tage nach dem ver­hee­renden Feuer hängt Brand­ge­ruch über der Wimp­fener Alt­stadt und in den Klei­dern derer, die meh­rere Gassen weit ent­fernt wohnen. Schwarz und sche­men­haft sind in der aus­ge­brannten Gast­stube die Sitzbänke zu erkennen. „Was für uns inter­es­sant gewesen wäre, ist das Trep­pen­haus“, sagt Rolf Würz vom TÜV, der als Elektro-Sach­verständiger bei der Spu­ren­suche hilft. Aber vom Trep­pen­haus geblieben ist bloß ein ein­sturzgefährdetes Etwas mit ver­bo­genen Geländer­teilen. Zu gefährlich.

Bis der Boden im Ein­gangs­be­reich von her­un­ter­ge­fal­lenen Trümmern frei ist, sind die Spu­ren­si­cherer mit Aufräumen beschäftigt und durch­su­chen jede Schaufel voll nach Auffällig­keiten. Trotzdem: Eber­hard Göttle und Andreas Vogel­mann vom Spu­ren­si­che­rungs­de­zernat der Kripo graben sich kei­nes­falls im ganzen Haus durch die schwarzen Reste. Das wäre „ Beschäfti­gungs­the­rapie“, sagt Benz­schawel.

Brand­er­mitt­lungs­ar­beit - mit die schwie­rigste Art Ermitt­lungen, die es gibt - ist zu einem großen Teil Kopf­sache. Objek­tive Befunde wie Aus­sehen des Brand­ortes, Brand­ver­lauf, Thermik, und sub­jek­tive Befunde wie Zeu­gen­aus­sagen helfen den Ermitt­lern, der Ursache näher zu kommen. Benz­schawel: „Man ver­sucht, alles aus­zu­schließen, was es nicht gewesen sein kann. Wenn man Glück hat, bleibt eine Sache übrig; manchmal drei oder vier.“

Die Liste, die die Ermittler auf der Suche abar­beiten, beginnt mit natürli­chen Ursa­chen wie Blitz, Fun­ken­flug, Sonne, geht weiter mit tech­ni­schen Ursa­chen und endet bei fahrlässiger oder vorsätzli­cher Brand­stif­tung. „Mit den Resten, die man hat, Urzu­stand und Ursache zu rekon­stru­ieren“, wie Brand­er­mittler Bernd Dank­werth das Ziel aller Brand­er­mitt­lungen umreißt, ist in der Sonne-Ruine unmöglich.

„Ganz Bad Wimpfen steht unter Schock, weil wir am Haupt­ein­gang der Alt­stadt dieses Gebäude ver­loren haben“, fasst Bürger­meister Claus Brechter den Gemütszu­stand in der Stau­fer­stadt in Worte. Ob sich die Wunde, die der Abbruch des Hauses schlagen wird, wieder schließt, kann noch nie­mand sagen. Was hier ver­loren gegangen ist, ist ohnehin unwie­der­bring­lich.

19.12.2003