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Im Schlauch die Schulwand runter

Ittlingenvon Simon Gajer, HSt

Hilfe, Hilfe„, schreien Kinder der Grund­schule Itt­lingen. Sie stehen im ersten Stock an den Fens­tern. Sie wollen raus. Schnell, denn ihre Schule brennt. Doch der Fluchtweg durch das Trep­pen­haus ist ver­sperrt. Irgendwo im Keller sind die Flammen, und der Rauch zieht bereits durchs ganze Schul­haus. Im Erd­ge­schoss ist er schon so dicht, dass man hinter den Glas­scheiben nichts mehr erkennt.Keine Jacken zu sehen, die an den Wänden hängen.

Nur dichter, weißer Rauch. Aber die Ret­tung naht: Die Frei­wil­lige Feu­er­wehr aus Itt­lingen und das Deut­sche Rote Kreuz rücken an, und die 37 Wehrmänner machen sich sofort ans Retten der Kinder.Rauch, schrei­ende Kinder. Alles echt, obwohl das Feuer fehlt. Die Ret­tungskräfte von DRK und der Feu­er­wehr haben am Sams­tag­nach­mittag gemeinsam geübt, und dafür kamen die Kinder sogar frei­willig zum Unter­richt an einem nor­ma­ler­weise freien Tag.

Doch selbst wenn nichts brennt, der Ein­satz läuft: Schläuche werden aus­ge­rollt, Maschinen pumpen Wasser, Ver­letzte werden auf Tragen aus dem Haus gebracht, und Feu­er­wehr-Männer setzen Atemgeräte auf.Die Kinder im ersten Stock werden wie bei einem echten Brand gerettet: an der Haus­wand runter. Ein Feu­er­wehr­trupp schleppt im Lauf­schritt eine Leiter an und stellt sie unter das Fenster mit den Kin­dern. Ein paar Männer klet­tern hoch, ihre Kol­legen unten rollen unter­dessen einen 25 Meter langen Ret­tungs­schlauch aus und ziehen ein Ende zu den Schülern nach oben.

Dort wird er befes­tigt, und schon geht's runter. Scha­li­scha Weiss aus der 4b klet­tert hinein, rutscht. Schlaufen halten den Schlauch zusammen. Nun werden einige von ihnen geöffnet, zwei Feu­er­wehrmänner ziehen das Mädchen raus. Gerettet. “Ich habe keine Angst gehabt„, sagt Scha­li­scha später.Erst die Feu­er­wehr, dann kümmern sich die 20 Frei­wil­ligen des DRK um die Schüler. Beim Roten Kreuz gibt's Tee. Zweck des Getränks: “So bleiben die Kinder an einer Stelle„, erklärt Bereit­schafts­lei­terin Ellen Oberländer ihr Vor­gehen, “und springen nicht davon.

„ Mit jeder Tasse werden die Schüler zugleich erfasst. Sind alle draußen? Die Lehrer zählen und sagen schließlich Ruth Uhler vom DRK Bescheid. Uhler führt Buch. Auf eine Liste notiert sie Klasse, Lehrer und ob jemand fehlt. Klasse 3a: “vollständig„, hat sie geschrieben.Pati­enten mit Rauch­ver­gif­tung, Schocks oder Gehirn­erschütte­rung. Alles ver­sorgt, der Brand ist gelöscht, und die Betei­ligten sind zufrieden. Beim Roten Kreuz ver­lief die Übung laut Oberländer “rei­bungslos„.

Feu­er­wehr­kom­man­dant Wolf­gang Lackner lobt seine Retter- und Löschar­beiter: “Gut gelaufen.„ Aller­dings: Brennt die Schule wirk­lich, dann ist es wohl nicht mehr so ruhig und geordnet wie an diesem Sams­tag­nach­mittag. Es fehlt etwas, gibt Lackner zu: “Im Ernst­fall kommt Panik.„

20.10.2003