QR-Code zur Seite

Gespieltes Unglück zwischen beißendem Rauch

Neuenstadt a.K.von Franciska Bohl, HSt

Dicker Qualm, der aus der dunklen Röhre dringt, dazwi­schen hek­ti­sche Ein­satzkräfte und um um Hilfe schrei­ende Men­schen - ein Schre­ckens­sze­nario, das glückli­cher­weise nur eine Übung war. Ins­ge­samt rund 240 Ein­satzkräfte probten im Tunnel Hölzern bei Neu­en­stadt den Not­fall einer Feu­er­ka­ta­strophe.

Es ist kurz vor 23 Uhr. Noch herrscht gespens­ti­sche Ruhe auf der Auto­bahn. Der Abschnitt bei der west­li­chen Röhre zwi­schen Würzburg und Weins­berger Kreuz ist gesperrt. Direkt vor dem Tunnel geht es leb­hafter zu. Auf beiden Spuren stauen sich die Autos, in denen Feu­er­wehr­angehörige sitzen. „Das Ganze wird unter rea­lis­ti­schen Bedin­gungen durchgeführt“, sagt Kreis­brand­meister Hans-Wil­helm Hans­mann. Zu der knapp 7000 Euro teueren Übung gehören auch die vielen „Ver­letzten“, die pro­fes­sio­nell geschminkt am Ein­gang auf ihren Ein­satz warten.

Selten geübte Abläufe trai­nieren und deren Schwach­stellen erkennen - das ist unter anderem das Ziel der Großübung. Zum ersten Mal soll auch ein Mobiler-Groß-Ven­ti­lator ein­ge­setzt werden. Dieser drückt Rauch und Hitze am anderen Ende des Durch­gangs heraus und sorgt für bes­sere Sicht­verhältnisse. „Durch die Tun­nel­unglücke im Alpen­raum sind wir auf­ge­schreckt worden“, sagt Regie­rungs­vi­zepräsident Dr. Horst Rapp. „Auch hier im Kreis haben wir fünf Tunnel, wo sich Unglücke ereignen können.“

Blick in die 460 Meter lange Röhre. Im fahlen Licht steht ein alter Opel Kadett. Damit der Asphalt keinen Schaden nimmt, wurden 50 Tonnen Schotter unter­legt. Über dem Auto prangt ein Stahlgerüst mit Brand­schutz­platten, das die Wärme­aus­strah­lung eindämmen soll. „Wir können beginnen!“ Es gibt einen lauten Knall, als der Pkw entzündet wird. Hell lodern die Flammen, es wird schlag­artig warm.

Schwe­lender Rauch breitet sich aus und kriecht an der Tun­nel­decke ent­lang in Rich­tung Nord­portal. Zehn Minuten später erklingt das Mar­tins­horn der Feu­er­wehr Neu­en­stadt. Die Ein­satzkräfte, ausgerüstet mit Atem­schutz­maske und Sau­er­stoffgerät, ver­schwinden zwi­schen beißenden Rauch­wolken.

„Hilfe, wo ist meine Frau?“ Die schau­spie­le­ri­sche Ein­lage der gespielten Opfer wirkt echt. Blut­ver­schmierte Hände, verrußte Gesichter und hilf­loses Schreien - fast macht sich Beklom­men­heit breit. Die angerückten Mit­ar­beiter des Ret­tungs­dienstes kümmern sich um die Ver­letzten, spre­chen beru­hi­gend auf sie ein.

Mit lautem Getöse kommt der Mobile-Groß-Ven­ti­lator zum Ein­satz. Unter dem starken Luft­strom lichtet sich der Rauch allmählich und gibt den Blick auf das aus­ge­brannten Auto­wrack frei. Tem­pe­ra­turen bis 180 Grad herrschten hier. „Da kann man sich gut vor­stellen, was bei größeren Tun­nelbränden los ist“, sagt Reiner Köller von der Poli­zei­di­rek­tion Heil­bronn und schüttelt den Kopf.

Nach über einer Stunde ist dann der Spuk vorbei. Fazit: Alles gut gegangen. „Die Übung hat gezeigt, was für eine Wir­kung der Ven­ti­lator hat“, zeigt sich Heil­bronns Landrat Klaus Czer­nuska zufrieden. „Obwohl es nur ein kleines Feuer war, konnte man die Rauch­ent­wick­lung gut beob­achten.“ Auch die Ret­tungsmaßnahmen hätten gut funk­tio­niert.

Pro­bleme berei­tete aller­dings die Funk­ver­bin­dung zwi­schen den Ein­satzkräften. „Der Kon­takt ist teil­weise abge­bro­chen, was daran liegt, dass der Tunnel tech­nisch nicht ent­spre­chend ausgerüstet ist“ , erklärt Regie­rungs­vi­zepräsident Horst Rapp. Sein Fazit trotz des posi­tiven Ver­laufs: „Das letzte Risiko lässt sich leider nie besei­tigen.“