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Chaos bei Katastrophen vermeiden

von Roland Muschel, HSt

Ob Orkan „Lothar“, der 11. Sep­tember oder das Flug­zeug­unglück von Über­lingen: Immer wieder werden Behörden, Sicher­heits- und Ret­tungskräfte von Krisen über­rascht, auf die sie nicht vor­be­reitet sind. Das soll sich ändern.

Als kurz vor Mit­ter­nacht in der Nacht zum 1. Juli 2002 der Absturz zweier Flug­zeuge über Über­lingen welt­weit für Bestürzung sorgte, standen die Tele­fone bei ver­meint­li­chen und tatsächli­chen Aus­kunfts­stellen nicht mehr still.

Eltern, deren Kinder in den Inter­naten rund um den Bodensee zur Schule gehen; Freunde von in der Feri­en­re­gion urlau­benden Men­schen; Jour­na­listen von Ame­rika bis Russ­land: Alle wollten möglichst schnell möglichst viele Infor­ma­tionen.

So erhielten das Rote Kreuz, der Flug­hafen Fried­richs­hafen und sogar die Tele­fon­aus­kunft zahl­reiche Nach­fragen - ohne wei­ter­helfen zu können. Und dort, wo Infor­ma­tionen vor­lagen, wie im Lage­zen­trum des Innen­mi­nis­te­riums, musste man sich um andere Dinge kümmern: etwa um den Ein­satz von Hub­schrau­bern und Tau­chern oder die Verstärkung der Ein­satzkräfte am Unglücksort.

Doch auch im Lage­zen­trum waren alle bekannten Num­mern per­ma­nent belegt und damit die eigent­liche Arbeit, die Beschaf­fung und Wei­ter­gabe von Infor­ma­tionen sowie die Koor­di­na­tion von Hilfsmaßnahmen, blo­ckiert.

Künftig sollen „Kri­sen­ma­nager“ dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wie­der­holt. Dieser Vor­schlag ist Teil eines 28 Seiten starken, vom baden-württem­ber­gi­schen Innen­mi­nis­te­rium in Auf­trag gege­benen Kon­zepts zur „Opti­mie­rung der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­tion“.

Grundsätzlich, heißt es in dem Papier, müsse in Kri­senfällen eine Stelle alle Infor­ma­tionen sam­meln und an alle betei­ligten Kräfte wei­ter­geben. Außerdem for­dern die externen Berater die Ein­rich­tung von Extra-Tele­fonen mit Geheim­num­mern („Rote Tele­fone“) bei allen wich­tigen Ret­tungs- und Ein­satz­stellen, damit diese auch im Kata­stro­phen­fall ihre Maßnahmen abspre­chen können.

Jede Behörde und jede Kom­mune soll zudem ein Hand­buch mit einer Check­liste für Kri­senfälle erhalten. Einen ent­spre­chenden Ent­wurf dis­ku­tieren heute Ver­treter der Kom­mu­nal­verbände und ver­schie­dener Lan­des­mi­nis­te­rien.

Während sich alle Betei­ligten über die Not­wen­dig­keit eines sol­chen Hand­buchs einig sind, dürfte die Finan­zie­rung umstritten sein. Inner­halb des Anti-Terror-Pro­gramms der Lan­des­re­gie­rung sind zwar 200 000 Euro für ein ver­bes­sertes Kri­sen­ma­nage­ment vor­ge­sehen. Doch dies deckt die Kosten für den Druck des Hand­buchs nicht ab. Und die Kom­munen kann nie­mand zwingen, den Leit­faden zu kaufen.