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Angst vor einer tödlichen Falle auf der Autobahn

von Oliver Färber, HSt

Freie Fahrt für freie Bürger gibt's jetzt auf der A 6 zwi­schen Öhringen und Kup­fer­zell drei­spurig - aber ohne Stand­spur. Was ist, wenn's kracht? Beim ersten großen Unfall mit Todes­folge kamen Ein­satz­fahr­zeuge nicht ohne Mühe durch.

Ver­mut­lich wäre der Truck­fahrer auch ohne Stau gestorben. Er war letzte Woche nach dem schweren Unfall in seinem Führer­haus ver­brannt. Laut Polizei soll er schon beim Auf­prall getötet worden sein.

Das Rote Kreuz hat noch keine beson­deren Maßnahmen im Stau­fall ein­ge­leitet. „Bei uns sind die Pro­bleme kleiner, im Stau­fall durch­zu­kommen“, meint Ret­tungs­dienst­leiter Jens Müller vom DRK Hohen­lohe. Anders als für Großfahr­zeuge der Feu­er­wehr gebe es für Ret­tungs­wagen eher noch Platz. „Aber das war ja abzu­sehen“, so Müller.

Dass seine Ein­satz­fahr­zeuge kurz­zeitig ste­cken blieben, räumt der Kreis­brand­meister und Öhringer Feu­er­wehr­kom­man­dant Günther Uhl­mann ein. „Die Last­wagen machten alle drei Spuren dicht“, erklärt er. Solange Brummis nicht auch noch auf der linken Spur stehen, kommen die Flo­ri­ansjünger aber durch, und er sehe dann keinen Nach­teil im feh­lenden Stand­streifen. Der Ein­satz­leiter plant aber vor: Künftig wird zunächst nicht der ganze Löschzug in den Stau fahren. Über Funk werden bei Pro­blemen Fahr­zeuge gegen die Fahrt­rich­tung an den Unfallort diri­giert. „Das kriegen wir in den Griff“, ist sich Uhl­mann sicher.

Für die Öhringer Feu­er­wehr war das der erste schwere Unfall in diesem Bereich. Mehr Erfah­rung hat bereits die Berufs­feu­er­wehr (BF) Heil­bronn, in deren Bereich schon einige Zeit die Stand­spur fehlt. „Es gibt manchmal Pro­bleme da durch­zu­kommen“, so Günter Bau­mann. Vor allem die ersten Fahr­zeuge müssten ab und an warten. Bau­mann gibt zu, dass hier wert­volle Minuten für die Lebens­retter ver­loren gehen könnten.

Harald Pfeifer, stell­ver­tre­tender Revier­leiter der Auto­bahn­po­lizei Weins­berg, hat im Heil­bronner Bereich eben­falls seine Erfah­rungen gemacht. „Man muss aber jeden Fall ein­zeln sehen“, warnt er vor Ver­all­ge­mei­ne­rungen. Denn solange es keine Pannen und keine Unfälle gebe, laufe der Ver­kehr hier nun viel besser. Diese Lösung aber bleibe ten­den­ziell gefährli­cher. „Uns wäre natürlich auch ein rich­tiger Ausbau lieber“, meint Pfeifer.

Da spricht er auch für den Auto­bahn-Poli­zei­re­vier­leiter Kurt Gentner, in dessen Bereich nun der schwere Unfall geschah. Noch will dieser keine Schlüsse aus dem Geschehen ziehen; der Ausbau sei zu neu. Doch Pan­nen­fahr­zeuge, die es nicht mehr zur Not­hal­te­bucht schaffen, sieht auch er als poten­ti­elle Gefahr. Außer sich ist Eugen Rapp, Besitzer eines Abschlepp­be­triebes.

„Hier werden ein­fach Sicher­heitsmaßnahmen gestri­chen“, klagt er. Während Betriebe Unfall­verhütungs­vor­schriften ein­halten müssten, stelle der Gesetz­geber keinen adäquaten Ersatz für die Stand­spur zur Verfügung. Ein Durch­kommen gibt's für die Abschlepp­wagen auch nicht: Eine drei­viertel Stunde sei er zu dem Brummi-Wrack unter­wegs gewesen. Seine Con­tai­ner­fahr­zeuge kamen gar nicht durch. Seine Kon­se­quenz: „ Wir holen in diesem Bereich Pan­nen­fahr­zeuge nur mit der Polizei ab“ . Wenn die auch tatsächlich durch­kommt.