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150 Jahre FF Weinsberg: Plötzlicher Funkenflug und sächsischer Notstand

Weinsbergvon Klaus Thomas Heck, HSt

Seit 150 Jahren bekämpft die Frei­wil­lige Feu­er­wehr in Weins­berg Brände, hilft bei Unfällen und Kata­stro­phen­schutz. Am Wochen­ende fei­erte die zweitälteste Wehr des Land­kreises Jubiläum - und schwelgte in Erin­ne­rungen.

„Eine ein­zige Erfolgs­ge­schichte“, sagt Lan­des­brand­di­rektor Hans-Ulrich Kortt beim Festakt am Freitag. Der Weins­berger hätte die Hilfe seiner Kol­legen schon mal gebraucht. „Aber wie hätte das aus­ge­sehen: Löschen beim Lan­des­brand­di­rektor?“ Also erle­digte Familie Kortt das im Allein­gang. „Aber ich hätte mich auf meine Jungs ver­lassen können.“

Die sind mit zehn Ein­satz­autos - vom Tanklöschwagen bis zum Gerätefahr­zeug - beim Festakt vor der Hildt­halle erschienen. 103 Aktive zählt die Frei­wil­lige Feu­er­wehr, hinzu kommen 17 Mit­glieder der Alters- und 15 aus der Jugend­ab­tei­lung. Frauen sind in der Min­der­heit.

Meist ist die Arbeit als Brandbekämpfer Fami­li­en­sache. Inge und Rudi Fritzsch sind so ein Feu­er­wehr-Ehe­paar oder der Acker-Clan, der mit acht Mit­glie­dern fast die Hälfte der Gell­mers­ba­cher Abtei­lung stellt.

Robin Kübler (13), Sohn des langjährigen Kom­man­danten Walter Kübler, ist seit drei Jahren dabei. Jeden Montag trifft er sich mit der Jugend­feu­er­wehr und übt Lösch­an­griffe. „Ein Pflicht­termin, da darf nichts anderes sein.“ Was gefällt ihm am besten? „Jeder hilft jedem.“

„Die Kame­rad­schaft ist super“, meint auch Roland Demke (43). Vor zehn Jahren wech­selte er als Chef zur Saarbrücker Berufs­feu­er­wehr. In Weins­berg ist er Mit­glied geblieben. Seine schönste Erin­ne­rung? 1966, als er eine Übung der Feu­er­wehr an der Grund­schule beob­ach­tete und das Dreh­lei­ter­fahr­zeug im Feu­ertor ste­cken blieb. „Da wusste ich: Das willst Du auch machen.“

Demke wurde Feu­er­wehr-Mit­glied und erlebte einen unrühmli­chen Höhepunkt. Bei einer Übung in der still­ge­legten Zie­gelei wurden Fässer auf­ge­stellt und Holz darin entzündet. Kübler: „Plötzlich waren Flammen, wo gar keine seine sollten. Ein unkon­trol­lierter Fun­ken­flug.“ Die Übung wurde zum Ein­satz, was anfangs keiner merkte. Ergebnis: Der Kampf gegen die Flammen dau­erte Stunden, das Gebäude lag in Schutt und Asche. Ein Jahr später wurde es abge­rissen.

Mit zwölf Mit­strei­tern ist Mathias Schmidt aus Cos­se­baude gekommen. „Manchmal braucht es beson­dere Ereig­nisse, um eine Freund­schaft auf­zu­fri­schen.“ Seit 1991 besteht die Part­ner­schaft zwi­schen den Wehren aus Weins­berg und dem Dresdner Teilort. „Wir trafen uns hin und wieder, mehr nicht.“

Ver­gan­genen August hieß es: Land unter! Die 5000 Ein­wohner von Cos­se­baude ver­sanken in den Hoch­was­ser­fluten der Elbe. Spontan rief Kübler an und hörte dra­ma­ti­sche Hil­fe­rufe. „Wir fuhren sofort rüber. “ Andert­halb Wochen lang haben zehn Weins­berger Kame­raden in Sachsen Keller leer gepumpt, Hausrat in Sicher­heit gebracht, Dreck weggeräumt. Schmidt: „Die haben uns mehr geholfen als der offi­zi­elle Kata­stro­phen­schutz.“

Am Samstag erhalten sie dafür den Flu­t­helfer-Orden. „So ein Blödsinn “, sagt Kübler. „Wir haben das doch nicht wegen dem Blech gemacht. Ein Danke hätte gereicht. Gebt das Geld lieber denen, die es nötig haben.“ Seinen Orden kriegt Kübler vom Regie­rungspräsidium Stutt­gart, obwohl das Innen­mi­nis­te­rium den Weins­ber­gern ihre Hilfe ursprünglich unter­sagt hatte: Das Kata­stro­phen­schutz­fahr­zeug durften sie nicht mit­nehmen, sie mussten mit dem Privat-Pkw nach Sachsen. Kübler: „Wie wichtig eine Feu­er­wehr ist, kapieren die meisten halt erst, wenn sie selbst betroffen sind.“

Bürger­meister Walter Kuhn sieht in dem „selbst­losen Dienst“ den Stolz der Stadt. Ange­sichts stei­gender Auf­gaben würden Feu­er­wehr­leute bei Gemein­derat und Stadt­ver­wal­tung weiter auf großes Verständnis stoßen. „Möge es ihnen so gehen wie der alten Jung­frau im Dorf: All­zeit bereit, aber nie gebraucht.“