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Smarte Technik nutzen & Veränderungen vorbereiten

von Medienteam KFV Heilbronn

„Wir müssen uns heute mit den Her­aus­for­de­rungen der Zukunft beschäftigen – ob beim Kli­ma­wandel oder der Digi­ta­li­sie­rung!“, erklärte Hartmut Ziebs, Präsident des Deut­schen Feu­er­wehr­ver­bandes (DFV), im Rahmen des 9. Bun­des­fach­kon­gresses in Berlin. 150 Teil­neh­me­rinnen und Teil­neh­mern aus ganz Deutsch­land hatten sich in span­nenden, pra­xis­nahen Vorträgen über ver­schie­denste Aspekte der beiden Themen infor­miert und die Gele­gen­heit zum Netz­werken auch mit Aus­stel­lern genutzt.

Udo Hem­mer­ling, stell­ver­tre­tender Gene­ral­se­kretär des Deut­schen Bau­ern­ver­bandes, kom­bi­nierte in seinem Impuls­vor­trag die beiden Themen mit Blick auf die Land­wirt­schaft. „Wir werden mehr Extrem­wit­te­rungs­lagen haben – und die Tro­cken­heit betrifft uns bereits, bevor sie der Feu­er­wehr einen Ein­satz bringt“, schil­derte er. Neben der gerin­geren Was­ser­verfügbar­keit durch Tro­cken­heit seien auch die geänderten Bedarfe bei Hitze pro­ble­ma­tisch: „Ab 35 Grad muss in der Tier­hal­tung reagiert werden, etwa mit dem Versprühen von Was­ser­nebel“, erklärte Hem­mer­ling. Er berich­tete, wie Drohnen genutzt werden, um bei­spiels­weise Zustands­karten von Fel­dern zu gene­rieren, und lie­ferte Ansatz­punkte für Koope­ra­tionen: „Nach den letzten zwei Jahren ist bei den Land­wirten ein noch höheres Bewusst­sein da, um mit der Feu­er­wehr gemeinsam zu üben und den Schaden im Ernst­fall so gering wie möglich zu halten.“

Die beiden Module „Kli­ma­folgen und Infra­struktur“ sowie „Kli­ma­folgen und Ein­satz­lagen“ befassten sich sowohl mit dem Aus­blick auf die künftigen Bedin­gungen als auch mit den Her­aus­for­de­rungen, die sich bereits heute durch den Kli­ma­wandel ergeben.

Thomas Loster von der Münchener Rück Stif­tung führte in seinem Vor­trag zum „Feu­er­wehr-Wet­ter­be­richt 2040“ aus, dass die aktu­ellen Bemühungen nicht genügten, um einen signi­fi­kanten Anstieg der Erderwärmung zu ver­hin­dern. „Sobald man kli­maschädliche Gase in die Atmosphäre entlässt, kommt es zwin­gend zu einer Kli­maverände­rung und ins­be­son­dere damit auch zu mehr Feuch­tig­keit“, erklärte er. Unter diesen Bedin­gungen sei eine Pro­gnose für den Feu­er­wehr-Wet­ter­be­richt 2040 äußerst vage und durch viele Fak­toren noch beein­flussbar.

Der Migros-Genos­sen­schafts-Bund ist in der Schweiz Partner der Lebens­mit­tel­ver­sor­gung in Kri­sen­zeiten. Martin Kessler (Mit­glied der Geschäfts­lei­tung) hob hervor: „Ein Kri­sen­netz­werk hilft, geeig­nete Vor­pla­nungen zu treffen. Ein Blackout ist jedoch das schlimmste Ereignis unter allen, da hierbei die Kom­mu­ni­ka­tion nicht mehr funk­tio­niert und Nach­schub nicht sach­ge­recht orga­ni­siert werden kann.“

„Fest defi­nierte Hil­fe­leis­tungs­kom­po­nenten des Kata­stro­phen­schutzes sichern per­so­nelle und tech­ni­sche Aus­stat­tung sowie eine hin­rei­chende Orga­ni­sa­tion im Ereig­nis­fall“, resümierte Hans Meyrl als ver­ant­wort­liche Führungs­kraft aner­ken­nend aus dem Ein­satz „Zehn Tage weißer Aus­nah­me­zu­stand: Schnee­fall 2019 in Bayern“. Diese Infra­struktur des Kata­stro­phen­schutzes durch Aus­ru­fung einer sol­chen Großscha­dens­lage in Anspruch nehmen zu können, habe zum Ein­satz­er­folg bei­getragen, um öffent­liche und teils pri­vate Gebäude zu sichern.

Weniger Kiefer-Rein­kul­turen mit­tels lang­fris­tigen Wald­um­baus durch Anpflanzen wider­standfähigerer Gewächse, mehr Inves­ti­tionen in eine geeig­nete Infra­struktur und gezielte Früher­ken­nungs­me­thoden sind wirk­same Maßnahmen zur Abwehr von Brand­ge­fahren. Alex­ander Zeihe ver­trat die Wald­ei­gentümer (ADGW) mit der Gewiss­heit, dass solche an der Präven­tion inter­es­siert sind: „Ein vor­beu­gender Wald­brand­schutz als Gefah­ren­ab­wehrmaßnahme geht einher mit Wirt­schaft­lich­keit!“

Mit neuen Ent­wick­lungen und der Umset­zung von der Idee in den Alltag befassten sich die Module „Smarte Feu­er­wehr“ und „Smarte Ret­tung in der Praxis“.

„Wer digital werden will, muss ver­gessen lernen. Man muss die alte Arbeits­weise ver­gessen und neu denken und nicht nur ana­loge durch digi­tale Technik ersetzen“, so Peter Breuer von der Firma MP-Soft-4-U GmbH in seinem Vor­trag „Feu­er­wehr 4.0 – Neue Wege in die digi­tale Welt“. Er skiz­zierte ver­schie­dene Hand­lungs­felder am Bei­spiel eines Brand­ein­satzes: von der Anruf­an­nahme und Alar­mie­rung, über die Verfügbar­keit von Objektplänen bis hin zur Aufrüstung und War­tung der Ausrüstung. In diesem Zusam­men­hang wies er auf die beson­dere Bedeu­tung der Ver­net­zung der Sys­teme sowie den Daten­aus­tausch hin.

„Die Lebens­wirk­lich­keit der Teil­nehmer von Lehrgängen ändert sich“, stellte Erwin Bau­mann zum Thema „E-Lear­ning in der Feu­er­wehr“ fest. Die Hes­si­sche Lan­des­feu­er­wehr­schule ent­wi­ckele die klas­si­schen Lehrgänge von reinen Präsenz­ver­an­stal­tungen zu kom­bi­nierten Präsenz- und E-Lear­ning-Ange­boten weiter. Durch Lern­in­halte für Smart­phone und Tablet würden wis­sens­ba­sierte Inhalte im Selbst­stu­dium mit Unterstützung erar­beitet. Den Besuch an der Schule ersetze dies jedoch nicht vollständig; der Zeit­an­satz der Präsenz­ver­an­stal­tungen sei aller­dings deut­lich redu­ziert.

Ein­satz­fahr­zeuge schneller und sicherer an den Ein­satzort zu bringen und dabei die Beeinträchti­gung für den übrigen Ver­kehr so gering wie möglich zu halten, ist das Ziel des Pro­jekts SIRENE, an dem unter anderen die Firma AFU­SOFT, das Deut­sche Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt und die Feu­er­wehr Braun­schweig arbeiten. Erreicht werden soll dies durch ein intel­li­gentes Rou­ting, das sowohl Stre­ckenlängen und die dort fahr­baren Geschwin­dig­keiten als auch die jeweils aktu­elle Ver­kehrs­lage berücksich­tigt und auf dieser Route die Licht­an­lagen schaltet. „Die Ver­net­zung ist der Knack­punkt an diesem Pro­jekt“, so Sebas­tian Damm (Berufs­feu­er­wehr Braun­schweig).

Vom ver­netzten Rauch­melder über digi­tale Licht­schalter und fern­steu­er­bare Wasch­ma­schinen bis zum Sprach­as­sis­tenten: Digi­tale und netz­werkfähige Technik findet immer mehr Einzug in die hei­mi­schen vier Wände. „Wir möchten die Smart Home-Welt mit der Feu­er­wehr-Welt ver­binden“, berich­tete Torben Sau­er­land von der Uni­versität Pader­born. Im Pro­jekt „Intel­li­gente Ret­tung im Smar­thome“ werden Möglich­keiten erforscht. Denkbar sind auto­ma­ti­sche Alar­mie­rungen aus dem Rauch­mel­der­netz ebenso wie die Rücksprache der Leit­stelle über einen Sprach­as­sis­tenten. Für die Ein­satzkräfte können Infor­ma­tionen etwa zum kürzlich ausgelösten Bewe­gungs­melder Rückschlüsse auf Per­sonen in Gefahr und ihren mögli­chen Auf­ent­haltsort geben.

Die frei­ge­ge­benen Präsen­ta­tionen des 9. DFV-Bun­des­fach­kon­gresses werden unter http://www.feuerwehrverband.de/bundesfachkongress.html veröffent­licht. Bilder der Ver­an­stal­tung stehen unter http://www.feuerwehrverband.de/bilder online.