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"Wenn's drauf ankommt, halten sie zusammen"

Güglingenvon Klaus Thomas Heck, HSt

Regungslos liegt der Ver­letzte - nennen wir ihn Willy - auf der Trage. Vier Feu­er­wehr­ge­sellen greifen beherzt zu. Ihr Ziel: Willy zu retten. Willys Pech: Seine Helfer sind blind. Am Wochen­ende trafen sich am Güglinger Sport­platz 70 Jugend­liche aus dem Land­kreis zu Geschick­lich­keits-, Technik- und Sport­auf­gaben.

"Jugend­flamme Stufe 2" nennt sich die Prüfung, die die Jugend­feu­er­wehren von Jagst­hausen bis Löwen­stein frei­willig bei Kreis­ju­gend­wart Knut Stein­bauer absol­vieren können. Die Ret­tung von Willy ist beson­ders tückisch. In Fünfer­gruppen muss der blaue Sand­beutel samt Trage durch einen Hin­der­nis­par­cours aus Sla­lomhütchen, Holz­bret­tern und Absperr­seilen gebracht werden.

Klingt ein­fach. Doch Philip (15), Mario, Patrick und Chris­tian (13) von der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Offenau werden vorher die Augen ver­bunden. Wenn's brennt und qualmt, wäre die Sicht kaum besser.

Nur Team­chef Sil­vano Lan­dolfi (15) sieht noch, wo's lang geht. Mit Kom­mandos diri­giert er seine Gruppe Rich­tung Ziel. "Jetzt das Bein heben." Oder: "Tief in die Hocke." Doch nicht immer werden die Rat­schläge sofort umge­setzt. Die Offenauer kas­sieren reich­lich Straf­zeiten. Beim Gang über einen Pulk Kanister geraten sie aus dem Gleich­ge­wicht. Die Trage kippt zur Seite. Zum Glück ist Willy fest­ge­schnallt.

"Jeder macht mal Fehler",sagt Mario Lan­dolfi (13). "Aber des­halb üben wir ja." Betreuer Marcus Kühn nickt: "Meine Jungs sind ein ziem­lich chao­ti­scher Haufen. Aber wenn's drauf ankommt, halten sie zusammen." Im Ernst­fall dürften sie ohnehin erst mit 18 Jahren helfen.

Zwölfein­halb Minuten brau­chen die Offenauer durch den 50-Meter-Par­cours - zwölf Fehler inklu­sive. Das Ein­satz­team Schwai­gern II schafft die gleiche Strecke in 4:40 Minuten bei nur einem Fehler. "Das haben wir seit Mai jede Woche geübt",sagt Jugend­wart Gun­ther Lang (48), der sich seit 20 Jahren im Leintal um den Feu­er­wehr-Nach­wuchs kümmert. 37 Jungs hat er zur­zeit, aber nur ein Mädchen.

Da wan­dert so man­cher neu­gie­rige Blick hinüber zu den beiden Mann­schaften der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Bon­feld. Im Kraichgau haben die Frauen das Sagen: Jasmin, Jen­nifer, Liza, Eileen und Co sind mit reinen Mädchen­teams am Start. "Unsere Jungs haben alle irgend­wann auf­ge­geben",sagt Corina Slo­cinski (16). "Mädchen sind eben hartnäckiger." Nur Jugend­wart Frank Rieth (32) darf bei den wöchent­li­chen Übungs­abenden, Grill­festen oder Zelt­la­gern noch mit­mi­schen. "Mädchen dis­ku­tieren lieber und zicken auch mal rum",hat er gelernt. "Aber dafür sind sie ordent­li­cher und gründli­cher."

Die meisten stammen wie Nicole Hof­mann (14) aus rich­tigen Feu­er­wehr­fa­mi­lien. Auch Papa Achim, ihr Opa und ihre beiden Cou­sins sind Brandbekämpfer. Ob die älteren Bon­felder Flo­ri­ansjünger bereits vor soviel Mädchen­power zit­tern, wenn die Truppe in zwei, drei Jahren zu den Aktiven wech­selt? "Nein, nein",sagt Rieth. Und grinst.

In Güglingen lassen die Bon­fel­de­rinnen manche Jun­gen­truppe weit hinter sich. Neben dem armen Willy gibt es einen Staf­fel­lauf mit Strahl­rohr, Weit­sprung, Technik-Fragen und einen simu­lierten Lösch­an­griff. Wieder und wieder müssen die ange­henden Brandbekämpfer erklären, was ein Öldruck­heber ist, wie ein Blech­aufreißer funk­tio­niert oder eine Schlauch­lei­tung über einen Graben legen.

Kreis­ju­gend­wart Stein­bauer: "Die sind prima vor­be­reitet." Die Jugend­flamme bestehen alle pro­blemlos.

Fotos: Gustav Döttling