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Vom Stolz der Feuerwehrkinder

Bad Wimpfenvon Petra Müller-Kromer, HSt

Warum er bei der Kin­der­feu­er­wehr Wimpfen ist? Da muss Hannes Müller nicht lange über­legen. "Es macht Spaß. Meine Freunde sind dabei", sagt der Elfjährige. Ein­malig in ganz Baden-Württem­berg war die Gruppe im Grund­schul­alter damals, bei der Gründung 2005. Eine Kin­der­feu­er­wehr, das war und ist etwas Beson­deres. Vor­aus­set­zung für die Teil­nahme: Ein Fami­li­en­mit­glied, etwa Vater, Mutter oder Opa, muss im Löschtrupp sein. Denn die Nach­frage in Bad Wimpfen war enorm.

Früchte

Jetzt wech­seln mit André Tomse, Hannes Müller, Alisa Spei­cher und Hannes Ull­rich die ersten Kinder in die Jugend­feu­er­wehr. "Wir ernten die Früchte unserer Arbeit", sagt Rein­hold Korb, Leiter der Alters­ab­tei­lung, voller Großvater­stolz. Enkel André Tomse hat Einwände: "Sind wir Frücht­chen?", fragt er den Opa tadelnd. Der schmun­zelt: "Irgendwie schon."

Klar, ein "unge­wohntes Gefühl" ist es schon, findet André, plötzlich bei den bis zu 17-Jährigen mit­zu­mi­schen. Wo er doch bis­lang selbst zu den Großen gehörte. Alles eine Frage der Per­spek­tive. Hannes Müller, zwei Köpfe kleiner als sein Mit­streiter, nimmt es locker. "Bei mir ist es immer so, dass andere größer sind."

Viel gelernt haben die vier in den ver­gan­genen Jahren. Team­ar­beit ist ihnen in Fleisch und Blut über­ge­gangen. "Die Gruppe ist har­mo­nisch. Wenn der eine etwas nicht so gut kann, gleicht der andere das aus," sagt Philipp Dautel, der mit Chris­tiane Fuchs die Kin­der­feu­er­wehr leitet. Spie­le­risch erar­beiten sich die Jüngsten Wissen − durch "Aus­schneiden, Auf­kleben, Aus­pro­bieren". Jeder kennt die Ausrüstung, kann einen Lösch­an­griff vor­be­reiten − auch dank des Anhängers, den Zim­mer­mann Dautel restau­riert hat, und in dem der kleine D-Schlauch, der Ver­teiler, die Pumpe und das Strahl­rohr ver­staut sind. "Wir haben schon ein Häuschen aus Pappe angezündet, da haben sie gemerkt, dass Schnel­lig­keit wichtig ist, sonst bleibt nur Asche übrig", sagt der 24-Jährige.

Seine Schützlinge wissen, dass ein Feu­er­wehr­mann orga­ni­siert sein muss, denn nur wer schnell genug ange­zogen ist, fährt zum Ein­satz mit. Da darf kein Helm im Eck liegen und kein Hosenträger ver­knotet sein. Klar, rich­tiges Feuerlöschen liegt für den Nach­wuchs noch in weiter Ferne. Trotzdem waren die Kinder mit dabei, als aus einer Maschine Öl aus­ge­laufen war und die Wehr anrücken musste. "Für uns war das Null, für die Kinder ein Rie­se­n­er­lebnis", sagt Korb.

Sie sind mit Ernst­haf­tig­keit bei der Sache. "Wir nennen uns auch nicht Löschzwerge und haben keine bunten T-Shirts", sagt Grup­pen­lei­terin Chris­tiane Fuchs, selbst Erzie­herin. "Wir betrachten das als Aus­bil­dung für die die Kinder Schutz­ausrüstung bekommen − auch wenn ihnen die Latz­hosen anfangs bis zur Gurgel gehen." Natürlich steht auch mal Plätzchen­ba­cken oder Schlit­ten­fahren auf dem Pro­gramm.

Stolz

Wer in so zartem Alter schon bei der Feu­er­wehr ist, genießt auch bei den Freunden einen beson­deren Status. "Bei einer Alarmübung an der Ludwig-Frohnhäuser-Schule haben unsere Jungs und Mädchen eine stolze Brust gemacht, nach dem Motto ‚kennen wir alles’", sagt Kom­man­dant Martin Ram­s­perger. Einst hat der 49-Jährige selbst seinen 14. Geburtstag her­bei­ge­sehnt. Damit er end­lich Mit­glied der Jugend­feu­er­wehr werden durfte.

Bild: "Tschüss Kin­der­feu­er­wehr" heißt es für Alisa Spei­cher, Hannes Müller, André Tomse und Hannes Ull­rich (nicht im Bild). (Foto: Petra Müller-Kromer)