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Schon vor der Gründung der Jugendabteilung vielversprechender Projektstart in Siegelsbach

Siegelsbachvon Andreas Rudlof

"Bei uns geht's ab! - Jugend­feu­er­wehr" Diesen Wer­be­slogan der Jugend­feu­er­wehr Baden-Württem­berg will die Frei­wil­lige Feu­er­wehr Sie­gels­bach am kom­menden Sonntag auch in ihrer Gemeinde in die Praxis umsetzen. Im Rahmen eines "Tages der offenen Tür" soll um 14 Uhr die Gründung einer eigenen Jugend­ab­tei­lung voll­zogen und so der Start­schuss für die Jugend­feu­er­wehr in der Kraichgau-Gemeinde gesetzt werden.

Bisher zählt die Krauchgau-Gemeinde zu den wenigen "weißen Fle­cken" auf der Land­kreis­karte ohne eigene Nach­wuchs­wehr. Aber Sie­gels­bach wollte dabei nicht - wie bei Asterix und Obelix - das "letzte gal­li­sche Dorf" im Land­kreis Heil­bronn sein. Außerdem hatte Kreis­brand­meister Hans-Wil­helm Hans­mann während der letzten Jah­res­haupt­ver­samm­lung in einigen Berei­chen seiner Ansprache wohl ein­deu­tige Worte gefunden. Diese haben dazu geführt, dass in Sachen Jugend­feu­er­wehr "ein deut­li­cher Ruck durch den Gemein­derat und die Feu­er­wehr" gegangen sei, wie Bürger­meister Kremsler bestätigte.

Der Ent­schluss, eine Jugend­feu­er­wehr zu gründen sei jedoch ursächlich nicht von akut drückenden Nach­wuchs­sorgen aus­ge­gangen, so Kremsler. Mit über 20 aktiven Feu­er­wehr­angehörigen kann sich die Mann­schaftsstärke von Sie­gels­bach im Hin­blick auf die Gemein­degröße und im Ver­gleich zu anderen Kom­munen durchaus sehen lassen, wenn auch die Tages­verfügbar­keit der Ein­satzkräfte einige Pro­bleme bereitet. Aber dies ist ein bekanntes, lan­des­weites Pro­blem. Des­halb habe man zur Siche­rung der Tages­alarm­be­reit­schaft auch intern einige Maßnahmen ergriffen: So werden künftige Bau­hof­mit­ar­beiter bei der Ein­stel­lung ver­pflichtet, Dienst in der Feu­er­wehr zu leisten. Auch habe man einen im Ort beschäftigten Feu­er­wehr­angehörigen, der in einer anderen Gemeinde wohnt, zur Mit­ar­beit in der Sie­gels­ba­cher Feu­er­wehr bewegen können. "Der junge Mann ist aus­ge­bil­deter Grup­penführer, hat einen Funk­mel­de­empfänger von seiner Hei­mat­wehr sowie von Sie­gels­bach und übt bei uns schon fleißig mit", freute sich Kremsler.

So legitim die Sorge um den Nach­wuchs für jede Mit­glie­der­or­ga­ni­sa­tion ist, für die Jugend­or­ga­ni­sa­tion der Feu­er­wehren genügt es nicht, die Jugend­li­chen aus­schließlich für deren Belange her­an­zu­bilden. Einmal gehen deren Auf­gaben und Ziele in der Regel über das Verständnis- und Leis­tungs­vermögen der jungen Men­schen hinaus. Zum anderen genügt eine derart ein­sei­tige Aus­rich­tung nicht den Wünschen und Bedürfnissen der Jugend­li­chen.Die Jugend­feu­er­wehr ist nach ihrem eigenen Selbst­verständnis zum einen eine Jugend­gruppe mit einer belie­bigen Anzahl von Mit­glie­dern und einer selbstgewählten Führungs­spitze, dem Jugend­grup­pen­leiter. Er ist für die jugend­pfle­ge­ri­sche Arbeit in der Jugend­feu­er­wehr ver­ant­wort­lich.

Zum anderen besteht sie aus einer oder meh­reren Löschgruppen mit der fest­ge­legten Zahl von Mit­glie­dern und einem vom Leiter der Feu­er­wehr bestellten Jugend­feu­er­wehr­wart, der für die feu­er­wehr­tech­ni­sche Aus­bil­dung der Jugend­feu­er­wehr ver­ant­wort­lich ist und der zugleich Auf­gaben der Betreuung, Bera­tung und Auf­sicht über­nimmt.

Die Jugend­feu­er­wehr bereibt also als ein Teil der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Feu­er­wehr­aus­bil­dung in der Form der Löschgruppe und als Hort der Jugend­pflege freie Jugend­ar­beit in der Form der Jugend­gruppe. Dieser orga­ni­sa­to­ri­sche Aufbau ist die wesent­liche Vor­aus­set­zung zur Erfüllung beider Ziele der Jugend­feu­er­wehr: Nach­wuchs für die Frei­wil­lige Feu­er­wehr her­an­zu­ziehen und zugleich jugend­po­li­ti­sche Bil­dungs­ar­beit an den Jugend­li­chen zu leisten.Immerhin sind die Jugend­feu­er­wehr­ab­tei­lungen in den ein­zelnen Gemein­de­feu­er­wehren seit Jahren mit über 70 Pro­zent der wich­tigste "Nach­wuchs­lie­fe­rant", damit die aktiven Feu­er­wehr­ab­tei­lungen auch in Zukunft dem Schutzbedürfnis der Bevölke­rung mit einer aus­rei­chenden und adäquaten Per­so­nal­aus­stat­tung ent­spre­chend Rech­nung tragen können. Daher ist eine erfolg­reiche und aktive Jugend­ar­beit mit Sicher­heit auch in Sie­gels­bach immer noch der beste Garant für die Siche­rung des späteren Feu­er­wehr­nach­wuchses sowie der Ein­satz­be­reit­schaft der Gemein­de­feu­er­wehr.

Drei bis vier Ver­ant­wort­liche stehen in Sie­gels­bach nach der Gründung für die Jugend­ar­beit zur Verfügung. "Junge, moti­vierte Feu­er­wehr­angehörige", wie Bürger­meister Kremsler betont, "die sich ihrer Auf­gabe und beson­deren Ver­ant­wor­tung durchaus bewusst sind." Außerdem stehe bereits das Grundgerüst für die Orga­ni­sa­tion der Jugend­ab­tei­lung und des Dienst­be­triebes, nachdem der Bürger­meister den Gemein­derat im Anschluss an eine Feu­er­wehr­aus­schuss­sit­zung über die finan­zi­ellen Aus­wir­kungen infor­miert hatte. "Das Gre­mium stand sofort hinter der Idee und zeigte sich der Gründung einer Jugend­feu­er­wehr sehr auf­ge­schlossen", so Uli Kremsler weiter.Beson­ders positiv wer­tete Kremsler die Tat­sache, dass sich nach Bekannt­ma­chung über den Aufbau einer Jugend­feu­er­wehr in Sie­gels­bach schon zahl­reiche inter­es­sierte Bewerber für die Jugend­feu­er­wehr zwi­schen zwölf und fünfzehn Jahren ent­weder bei der Feu­er­wehr direkt oder im Rat­haus mel­deten und dies auch noch wei­terhin tun können. Außeror­dent­lich entzückt war Bürger­meister Kremsler am Montag letzter Woche, als sich am Nach­mittag gleich ?vier auf einen Streich? zur Jugend­feu­er­wehr bei der Gemein­de­ver­wal­tung ange­meldet haben.

Dass der posi­tive Ver­lauf der diesjährigen Hauptübung ihren Bei­trag zur Nach­wuchs­ge­win­nung geleistet hat, ist sich Kremsler sicher. "Auch die zwei Ver­letz­ten­dar­steller haben sich anschließend spontan bereit erklärt, in der Jugend­feu­er­wehr mit­zu­wirken," freute sich der Bürger­meister und er hofft: "Viel­leicht haben wir ja bei der Gründungs­ver­an­stal­tung am Sonntag sechs bis acht Jugend­liche, die den Grund­stein legen - das wäre ein guter Anfang."

Übri­gens: Mädchen haben sich bisher noch nicht gemeldet…