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Nordheimer Jugendfeuerwehr greift zu Schläuchen und Strahlrohr

Stadt- und Landkreis Heilbronnvon Sabine Friedrich, HSt

Der Feu­er­wehr-Nach­wuchs lernt bei den Übungs­abenden, wie die Ausrüstung für das Löschen und ein­fache Tech­ni­sche Hil­fe­leis­tung gehand­habt wird. Jugend­ar­beit ist wichtig, um den Nach­schub für die Aktiven sicher­zu­stellen.

„Wir stellen uns vor, dass ein Baum brennt, und sich eine Katze auf dem Dach befindet.“ Das ist das Sze­nario, das Marius Weiss, Jugend­wart der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Nord­heim, vor­gibt. Er teilt das Dut­zend Mädchen und Jungen in den orange-blauen Uni­formen in Angriffs-, Wasser- und Schlauch­trupp sowie drei Beob­achter ein. Dann heißt es erst einmal Auf­stel­lung nehmen hinter dem Grup­penführer aus den Reihen der Aktiven. Nach vielen Monaten des Lock­down ist der Übungs­be­trieb beim Nach­wuchs im Juni wieder ange­laufen.

Was­ser­ver­sor­gung muss auf­ge­baut werden

An diesem Abend geht es mit Löschgrup­pen­fahr­zeug, Gerätewagen Trans­port und Mann­schafts­trans­port­wagen vom Feu­er­wehr­haus in Nord­heim nach Nord­hausen zur Grund­schule. Im Fahr­zeug und bei der Übung muss immer noch Maske getragen werden. „Wisst ihr, was zu tun ist?“, fragt Weiss in die Runde der Zwölf- bis 17-Jährigen. Beim letzten Treffen haben sie ein Stand­rohr auf einen Hydranten gesetzt. Das ist auch diesmal zu tun, damit Wasser durch die auf­ge­baute Schlauch­lei­tung fließt.

Der „bren­nende“ Baum wird mit reich­lich Wasser getränkt. Männer aus dem Betreu­er­team haben die Leiter vom Löschgrup­pen­fahr­zeug geholt. Die wäre für den Nach­wuchs­trupp zu schwer zu tragen. Ange­lehnt an die Haus­wand, kann es an die ver­meint­liche Tier­ret­tung gehen. „Ohne Jugend­feu­er­wehr funk­tio­niert selten eine Feu­er­wehr“, meint Timo Kraft, Jugend­feu­er­wehr­wart im Kreis­feu­er­wehr­ver­band Heil­bronn. Die Übergangs­quote zu den Aktiven liege bei 80 Pro­zent. Des­wegen sei die Jugend­ar­beit so wichtig.

Nach dem Lock­down ist Wer­bung nötig

„Es fehlt die Übung“, meint Weiss nach der langen Zwangs­pause. „Es ist schwierig für alle“, bestätigt sein Stell­ver­treter Jonas Nau­joks. Begriff­lich­keiten und Hand­fer­tig­keiten seien ver­loren gegangen, auch bei den Aktiven. „Wir fangen bei null an“, stellt Timo Kraft fest. Manche Jugend­feu­er­wehren hätten während des Lock­down Online-Ange­bote gemacht. Die Teil­nahme sei gering gewesen. Das wun­dert ihn nicht, die Schüler hätten ja schon den Unter­richt am PC ver­bracht.

„Wir haben Abgänge, aber nicht in großer Stückzahl“, sagt Kevin Ortius, eben­falls stell­ver­tre­tender Jugend­wart, zu den Aus­wir­kungen des Lock­down. Von den 17 gemel­deten Mit­glie­dern kämen der­zeit zwölf regelmäßig. „Wir müssen wieder Wer­bung machen“, ergänzt Ortius.

Ein Hobby fürs Leben

Philip ist seit zwei Jahren dabei. Mit seinen fast 18 Jahren trägt er bereits die Ein­satz­klei­dung der Aktiven. Er wartet auf einen Platz für die Grund­aus­bil­dung. „Die Feu­er­wehr hat Zukunft“, sagt Philip. Für ihn ist sie ein Hobby fürs Leben. „Man kann etwas bewirken. Leben retten und anderen Men­schen helfen.“ Dafür inves­tiert er gerne viel Zeit. Atem­schutzgeräteträger möchte er werden.

Auch für Amelie steht fest, dass sie einmal zu den Aktiven wech­seln wird. Jetzt ist sie 16 und seit vier Jahren Mit­glied in Nord­heim. Das Löschen zu üben, das ganze Drum­herum, das Zusam­men­sein mit anderen Jugend­li­chen und den Betreuern, das gefällt ihr. Ortius ist stolz auf einen großen Stamm an Betreuern, der den Jugend­lei­ter­lehr­gang abge­schlossen hat. „Ich bin auf Probe gekommen und geblieben“, erzählt der 14-jährige Liam. Die Feu­er­wehr habe ihn schon immer inter­es­siert. Hier könne man Freunde finden. Hilfs­be­reit­schaft und gegen­sei­tiges Ver­trauen könne man in der Feu­er­wehr lernen, sagt Ortius. „Die Kame­rad­schaft ist gut“, betont Weiss.

Wenn die coro­nabe­dingten Ein­schränkungen fallen, dann kann der Nach­wuchs auch wieder im Jugend­raum des Feu­er­wehr­hauses Bil­lard, Tischfußball und Darts spielen. Auch die anderen Frei­zeit­an­ge­bote jen­seits der feu­er­wehr­tech­ni­schen Grund­lagen, wie gemein­sames Kochen und Spiele, sind wieder möglich. „Wir sind relativ spontan“, ant­wortet der Nord­heimer Jugend­wart auf die Frage, ob das Zelt­lager in den Som­mer­fe­rien denn in diesem Jahr statt­finden kann.

Zahl der Mit­glieder

Bis auf Eber­stadt haben alle Frei­wil­ligen Feu­er­wehren in Stadt- und Land­kreis Heil­bronn auch eine Jugend­feu­er­wehr. Zudem gibt es 18 Kin­der­gruppen. Ende 2020 wurden 1329 Mit­glieder in den Jugend­feu­er­wehren gezählt, 112 davon waren es im Stadt­kreis. Die jährliche Pau­schale vom Land beträgt 40 Euro pro Kopf.

„Bei uns ent­stehen keine Kosten“, sagt der Nord­heimer Jugend­wart Marius Weiss. Die Uni­form werde kom­plett gestellt, und selbst bei Ausflügen müsse nur ein kleiner Eigen­an­teil getragen werden. Jugend­feu­er­wehren sind in das Gemein­schafts­leben ein­ge­bettet. So macht der Nach­wuchs in Nord­heim beim Land­schafts­pfle­getag, beim Park­fest oder bei der Christ­baum­sam­mel­ak­tion mit.