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Fortbildung der Kreisjugendfeuerwehr Heilbronn für Jugendgruppenleiter und -betreuer

von Andreas Rudlof

Die Jugend­feu­er­wehr­warte und -betreuer an der Basis stets mit aktu­ellen Infor­ma­tionen zu ver­sorgen, hat sich Kreis­ju­gend­feu­er­wehr­wart Knut Stein­bauer bei seinem Amts­an­tritt unter anderem auf die Fahne geschrieben. Aus diesem Grund findet - fast schon tra­di­tio­nell - einmal jährlich ein Wochen­end­lehr­gang auf dem Clee­bronner „Micha­els­berg“ statt.

„Schul­den­frei - frei für die Zukunft - so sollte der Start ins Geschäfts­leben junger Men­schen eigent­lich aus­sehen“, stellte der stell­ver­tre­tende Lan­des­ju­gend­feu­er­wehr­wart Thomas Häfele, im Haupt­beruf Gerichts­voll­zieher beim Amts­ge­richt Reut­lingen, zu Beginn seines Infor­ma­ti­ons­vor­trages „Ver­schul­dung/Über­schul­dung von Jugend­li­chen“ fest. Ergänzend fügte Häfele hinzu: „Doch leider trifft diese Ide­al­vor­stel­lung nicht immer zu.“ Bei den jungen Erwach­senen zwi­schen 18 und 25 Jahren beläuft sich die Ver­schul­dung auf etwa 3,5 Mil­li­arden Euro was bedeutet, dass jeder fünfte zah­lungsunfähige Schuldner jünger als 25 Jahre ist. Als Auslöser der Ver­bind­lich­keiten führte Thomas Häfele bei­spiel­haft die Kosten für Handy, Internet usw. an. Aber auch Bank­ver­pflich­tungen wie Dis­po­kre­dite, offene Rech­nungen bei Ver­sandhäusern oder die Kosten für die Fahr­zeug­un­ter­hal­tung seien in vielen Fällen Ursache für diese Misere. Auch ein­ge­gan­gene Bürgschaften würden oft­mals unbe­wusst hin­sicht­lich der daraus erwach­senden Ver­pflich­tungen und Folgen abge­schlossen. „Eine Unter­schrift tut nicht weh und wird oft im Zustand der ersten großen Liebe geleistet.“, so Häfele weiter. Oft­mals zer­platzt eine solche Bezie­hung, der ehe­ma­lige Freund oder die Freundin kann den Ver­pflich­tungen nicht mehr pünkt­lich nach­kommen, sodass der Bürge vom Gläubiger in Anspruch genommen wird.
Die daraus resul­tie­renden Folgen führten unwei­ger­lich zum sozialen Absturz eines fast jeden Betrof­fenen, berich­tete Thomas Häfele. „Gerade junge Men­schen muss in einer sol­chen Situa­tion geholfen werden, auch wenn der Zugang von außen an einen Betrof­fenen sehr schwer möglich ist.“, so der stell­ver­tre­tende Lan­des­ju­gend­feu­er­wehr­wart. Die Feu­er­wehren stellen nach Auf­fas­sung Häfeles eine große Soli­dar­ge­mein­schaft für die Men­schen im Umfeld dar. Des­halb sei es eine klare Ver­pflich­tung, Kame­raden - welche sich in einer persönli­chen Not­lage befänden - zu helfen, for­derte Häfele. Ins­be­son­dere wenn man bedenke, dass der Start eines jungen Men­schen mit einer Viel­zahl von Schulden ins „Erwach­se­nen­leben“ für das wei­tere Leben sehr nach­hal­tige Folgen haben könne. Abschließend stellte er fest: „Schul­den­frei - Zukunft frei!“

Unter dem The­men­punkt „Öffent­lich­keits­ar­beit“ infor­mierte Reto Bosch von der „Heil­bronner Stimme“ über die Zusam­men­ar­beit von Zei­tung und Feu­er­wehr. Er stellte einen Leit­faden für die Zusam­men­ar­beit vor und gab wert­volle Tipps für die Erstel­lung von Pres­se­texten.

Am Sams­tag­vor­mittag refe­rierte der stell­ver­tre­tende Lan­des­ju­gend­feu­er­wehr­wart Andreas Rudlof über aktu­elle Jugend­feu­er­wehr- und Feu­er­wehr­themen aus dem Land. Ins­be­son­dere von Inter­esse waren dabei die Neu­re­ge­lungen, die im Rahmen der Neu­fas­sung der Zuwen­dungs­richt­li­nien für das Feu­er­wehr­wesen (Z-Feu) für die Jugend­feu­er­wehren - spe­ziell in finan­zi­eller Hin­sicht - zum 1. Januar diesen Jahres in Kraft getreten sind. Aber auch die von der Deut­schen Jugend­feu­er­wehr neu her­aus­ge­ge­bene Beklei­dungs­richt­linie für die Jugend­feu­er­wehren wurde ange­spro­chen. Hierbei sagte der stell­ver­tre­tende Lan­des­ju­gend­feu­er­wehr­wart Andreas Rudlof zu, die Emp­feh­lungen der Jugend­feu­er­wehr Baden-Württem­berg für ein möglichst ein­heit­li­ches Erschei­nungs­bild noch im vierten Quartal diesen Jahres den Kreis­ju­gend­feu­er­wehr­warten vor­zu­stellen.

„Wel­ches Kind oder wel­cher Jugend­li­cher trinkt schon zwei Schnäpse?“, fragte Dirk Schulze von der Poli­zei­di­rek­tion Heil­bronn ein­gangs seiner Ausführungen etwas pro­vo­kativ zum Thema „Alko­pops“. „Genau das pas­siert aber, wenn junge Leute zu Mode­drinks wie “Alko­pops„ greifen“, fuhr Schulze fort. Der süße und fruch­tige Geschmack, pop­pige Farben sowie „tren­dige“ Fla­schen­de­signs ver­schleiern die hoch­pro­zen­tige Wir­kung dieser alko­hol­hal­tigen Misch­getränke und lassen - vor allem bei jungen Men­schen - die Hemm­schwelle zum Alko­hol­konsum sinken.
„Alko­pops stellen nicht nur unter Gesund­heits­aspekten eine beson­dere Gefährdung dar.“, stellte Dirk Schulze fest. Fol­ge­er­schei­nungen von unter Alko­hol­ein­fluss ste­henden Per­sonen seien auch die Zunahme von Aggres­sionen, Sach­beschädigungen und Körper­ver­let­zungen. Den­noch: Alko­pops liegen im Trend. Die alkohol- und spi­ri­tuo­sen­hal­tigen Misch­getränke sind bei Jugend­li­chen „in“. „Die Getränke­indus­trie wirbt sehr gezielt und massiv um jugend­liche Kon­su­menten und ver­bucht beacht­liche Umsatz­raten“, so Schulze weiter. Beson­ders gefährlich ist dabei die Hal­tung der Erwach­senen. Sie halten Alko­pops häufig für unbe­denk­lich und tole­rieren den Konsum bzw. fühlen sich im Hin­blick auf die Wir­kung oder den recht­li­chen Rahmen recht unsi­cher. Hinzu kommt, dass sich nach dem Jugend­schutz­ge­setz die Alters­frei­gabe nicht am Alko­hol­ge­halt, son­dern an der Art des ent­hal­tenen Alko­hols ori­en­tiert und somit ein­deu­tige Erken­nungs­merk­male nur pro­dukt­be­zogen sind.

Abschließend warf Dirk Schulze noch einen besorg­nis­er­re­genden Blick auf die Sta­tistik. Seit 1998 ist ein ste­tiger Anstieg beim regelmäßigen Alko­hol­konsum fest­zu­stellen. Bei Jungen liegt die Quote bei 8,2 und bei Mädchen um 3,6 Pro­zent. Aller­dings sehen die Sucht­ex­perten den Höhepunkt bei dieser Pro­ble­matik als „noch nicht erreicht“ an.

Berei­chert um diese aktu­ellen Infor­ma­tionen konnte Kreis­ju­gend­feu­er­wehr­wart Knut Stein­bauer die anwe­senden Lehr­gangs­teil­nehmer am Sams­tag­nach­mittag wieder nach Hause ent­lassen, damit sie die neu gewon­nenen Erkennt­nisse bei ihrer tägli­chen Arbeit im Umgang mit ihren Jugend­feu­er­wehr­angehörigen anwenden und umsetzen können.

Bild 1 + 2:
Kreis­ju­gend­feu­er­wehr­wart Knut Stein­bauer konnte beide stell­ver­tre­tende Lan­des­ju­gend­feu­er­wehr­warte - Thomas Häfele (Bild 1) und Andreas Rudlof (Bild 2) - als Refe­renten für den Jugend­grup­pen­lei­ter­lehr­gang gewinnen.

Bild 3:
Blick auf einen Teil der anwe­senden Jugend­feu­er­wehr­warte und -betreuer der Jugend­feu­er­wehren aus dem Stadt- und Land­kreis Heil­bronn während der ein­zelnen Vorträge.