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"Fertig ist man da nie"

Brackenheimvon Stefanie Pfäffle, HSt

Puh, das war ein ganz schön anstren­gender Morgen. Erstaun­lich, wie solche Felsbänder, die nach der Flur­be­rei­ni­gung am Zwei­fel­berg kilo­me­ter­weise ent­standen sind, zuwachsen können. „Wir gene­rieren hier wieder Son­nenflächen für Eidechsen“, erklärt Anja Mann­sperger, Jugend­feu­er­wehr­wartin bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Bra­cken­heim. Und richtig, überall raschelt es, flitzen die Mini­dra­chen übers Gestein und genießen den strah­lenden Son­nen­schein.

Qua­drat­meter um Qua­drat­meter haben Mann­sperger und ihre drei Helfer von Brom­beeren und Gestrüpp befreit, jetzt sind sie froh um die ange­setzte Mit­tags­pause an der Neip­perger Gemein­de­halle. Dort treffen sie auch auf die wei­teren 50 Ehren­amt­li­chen, die an diesem Samstag mit Scheren ausgerüstet unter­wegs sind. Alle gemeinsam enga­gieren sich beim Land­schafts­pfle­getag, den die Stadt gemeinsam mit dem Land­schafts­er­hal­tungs­ver­band für den Land­kreis Heil­bronn zum zweiten Mal durchführt.

Acht Tage pro Jahr Seit vier­ein­halb Jahren gibt es den Ver­band, der sich vor allem um Flächen kümmert, die land­wirt­schaft­lich nicht mehr inter­es­sant sind, erklärt Geschäftsführer Klaus Ogger. Die meisten Maßnahmen laufen gegen Bezah­lung, doch dann kam Ogger auf die Idee, auch Ehren­amt­liche in die Arbeit ein­zu­be­ziehen. „Vor drei Jahren habe ich den ersten Land­schafts­pfle­getag in Wid­dern durchgeführt, inzwi­schen gibt es sechs bis acht pro Jahr.“ Um alles zu erle­digen, sei das natürlich immer noch zu wenig, allein in Neip­perg könnte man jährlich sechs sol­cher Tage durchführen. „Aber die Leute bekommen dadurch ein anderes Verhältnis zur Land­schaft. Sie lernen, dass man sie auch pflegen muss.“

Ogger klärt auch auf, dass nicht alles Zuge­wach­sene gut ist, bloß weil es natürlich ist. Ökolo­gisch gesehen seien halb offene Flächen viel inter­es­santer. Nur so könnten sich ver­schie­dene Arten ent­wi­ckeln.

Viele der betei­ligten Helfer enga­gieren sich auch sonst für die Land­schafts­pflege. Der Nabu etwa, der BUND oder auch der Alb­verein, der bereits kurz nach der Flur­be­rei­ni­gung die Paten­schaft für eine gut zwei Hektar große Fläche über­nommen hat.

Rosen und Unkraut „Wir lassen die Rosen stehen und ent­fernen das Unkraut“, erklärt Mit­glied Irma Baum. Die Bra­cken­hei­merin arbeitet auch sonst gerne im Garten und will ihren Vor­stand nicht alleine lassen. „Wenn das Wetter so schön ist wie heute und die Leute zusammen schaffen, ist das ein­fach schön“, meint sie.

Der Obst- und Gar­ten­bau­verein Bra­cken­heim wer­kelt heute in seinem natürli­chen Umfeld. Über 50 Obstbäume haben die im Schnitt über 70-Jährigen auf Streu­obst­wiesen zurückge­schnitten. „Wenn da lange nichts gemacht wurde, muss erstmal ein Grund­schnitt her, bei anderen sind es Pfle­ge­schnitte“, erklärt Vor­stand Rein­hold Schmid.

Die vierte Gruppe kam vom Bau­ern­ver­band und befreite eine Was­ser­staffel mit daneben lie­gendem Biotop von unnötigem Bewuchs. „Damit die Klein­tiere wieder Licht und Luft haben“, so Vor­sit­zender Albrecht Döber. Sicher hätte man auch im eigenen Betrieb was zu tun, aber „eine Hand wäscht die andere. Wir wollen ja auch mal was von der Stadt“. Diese Ein­stel­lung freut Ord­nungs­amts­leiter Reiner Kriegel. „Wir sind dankbar, wenn wir ehren­amt­liche Kräfte mobi­li­sieren können, die uns bei der Land­schafts­pflege helfen.“ Zu tun gebe es immer etwas. „Fertig ist man da nie.“

Bild: „Die Leute bekommen dadurch ein anderes Verhältnis zur Land­schaft.“ - Klaus Ogger (Foto: Ste­fanie Pfäffle)