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Erlebnispädagogik bei der Jugendfeuerwehr

Lauffen a.N.von Katrin Hemmerlein, Feuerwehr Lauffen a.N.

Tau­sche Apfel gegen Fahrrad…

Solche verrückten Auf­gaben konnten 15 Betreuer der Jugend­feu­er­wehr aus ganz Baden-Württem­berg vom 18.-19.07.2008 selbst aus­pro­bieren. Dabei standen die Selbst­er­fah­rung und der Spaß an der Sache ganz klar im Vor­der­grund. Doch was haben Äpfel, GPS und Floßbau gemeinsam – und was hat das Ganze mit Erleb­nispädagogik zu tun? Ganz ein­fach: es ging darum, alleine oder als Gruppe ver­schie­dene Auf­gaben zu lösen und damit seine Kom­pe­tenzen - und die der Jugend­li­chen - zu erwei­tern, neue Ideen für den Jugend­feu­er­wehr­dienst anzu­eignen und pädago­gi­sches Hand­werks­zeug für den Umgang mit Gruppen zu ver­tiefen. Los ging es am Freitag nach einer gemein­samen Stärkung. Nach einer kurzen Einführung in das Geo­caching ging es mit GPS - Geräten auf Schatz­suche. Schnell merkten die Teil­nehmer am eigenen Leib, dass die Bewe­gung in der Natur mit­tels GPS Spaß macht, man unbe­kanntes Ter­rain erkunden kann und dabei noch viel span­nendes erlebt wie zum Bei­spiel die Über­que­rung eines Flusses mit­tels einer Seilbrücke. Nebenbei wurden noch die gestellten Auf­gaben gelöst, zu denen man anhand von Koor­di­naten und dem GPS Gerät gelotst wurde. Nach so viel Bewe­gung gab es etwas fürs Gehirn. Ein biss­chen Theorie muss sein und somit wurde die Geschichte der Erleb­nispädagogik, die Grup­pen­phasen sowie Grund­lagen eines erleb­nispädago­gi­schen Set­tings erörtert. Um wieder in Schwung zu kommen, gab es die nächste Pro­blem­auf­gabe. Mit Pappröhren mussten 6 Kugeln über eine Distanz von 20 Metern trans­por­tiert werden, ohne dass eine Kugel run­ter­fliegt und das Ganze ohne dabei mit­ein­ander zu reden. Nach erfolg­rei­cher Mur­mel­reise folgte die Auf­gabe, 15 Zim­mer­mannsnägel auf einen in einem Brett ein­ge­schla­genen Nagel auf­zu­legen, ohne dabei Hilfs­mittel zu benutzen. Die Lösung dau­erte bis in die späte Nacht hinein und somit ging der Lehr­gang in den kame­rad­schaft­li­chen Teil über. Auf Feld­betten ver­brachte man dann die Nacht im modernen Lauf­fener Gerätehaus. Am nächsten Morgen stand „City­bound“ - auf Deutsch „Erleb­nispädagogik in der Stadt“ - auf dem Plan. Am Neckar galt es aus den vor­han­denen Mate­ria­lien gemeinsam ein Floß zu bauen. Während der Bau­phase bekamen wir dann hohen poli­ti­schen Besuch. Im Rahmen der Aktion „Ent­decke was geht - Politik trifft Jugend­ar­beit“ infor­mierte sich Frau Gurr-Hirsch, Land­tags­ab­ge­ord­nete und Staats­se­kretärin, über unsere Arbeit. Sehr inter­es­siert fragte sie nach, „wo der Schuh drückt“ und holte sich fachmänni­schen Rat zu feu­er­wehr­po­li­ti­schen und jugend­ar­beits­re­le­vanten Themen. Im Gespräch und den Dis­kus­sionen ging die Zeit schnell vorbei und selbst­verständlich ließ Frau Staats­se­kretärin Gurr-Hirsch es sich nicht nehmen, auch eine Runde auf unserem selbst­ge­bauten Neckar­bummler zu drehen. Nachdem alle tro­cken wieder an Land ange­kommen waren, wurde die letzte Auf­gabe gestellt. In Klein­gruppen wurde auf ver­schie­dene Arten die Stadt Lauffen von einer anderen Seite erkundet. So erlebten einige im Roll­stuhl oder mit ver­bunden Augen und einem Blin­den­stock, mit wel­chen Hin­der­nissen Men­schen mit Behin­de­rungen täglich zu kämpfen haben (man konnte z.B. vom Roll­stuhl aus keine Fahr­karte am Bahnhof kaufen), und wie man auf hilfs­be­reite Mit­men­schen ange­wiesen ist (ein „Blinder“ hatte sich ver­laufen), andere Teil­nehmer ver­suchten Fotos von bestimmten Men­schen (z.B. ein großes Kind mit einem kleinem Hund) zu erstellen und hierzu die Men­schen zu über­reden. Dass dies anfangs große Über­win­dung kos­tete und man aber mit fremden Men­schen ins Gespräch kam, war eine wich­tige Erfah­rung. Andere Teil­nehmer klin­gelten, aus­ge­stattet mit allem, was man für einen Kaf­fee­klatsch braucht, an fremden Türen und ver­suchten die Anwohner zu einer gemein­samen Kaf­fee­runde zu über­reden, was in einigen Fällen auch gelang. Hier saßen sich dann fremde Men­schen gegenüber und fanden erstaun­li­cher­weise einiges Gemein­same und hatten viel Spaß mit­ein­ander! Am beein­dru­ckendsten war jedoch die Gruppe, die das Spiel „Hans im Glück“ spielten. Sie bekamen als Start­ka­pital einen Apfel und sollten diesen möglichst gewinn­brin­gend weiter tau­schen. Alle Teil­nehmer trauten ihren Augen nicht, als die beiden mit einem fast neuen Fahrrad, einer Gra­fik­karte für den PC und einer Pflanze mit­samt Blu­men­topf ankamen. Und das Ganze in nicht einmal ein­ein­halb Stunden! Nach einer Refle­xi­ons­runde, in der jeder das Erlebte noch­mals den anderen mit­teilte und wir die Auf­gaben auf der Meta­ebene anschauten, auf was man bei der Durchführung mit Jugend­li­chen achten muss, begaben wir uns wieder zurück in das Gerätehaus. Dort gab es noch­mals eine Abschluss­runde und jeder schrieb eine Post­karte an sich selbst. Auf dieser stehen die ganz eigenen Erfah­rungen, Eindrücke und Ziele, was jeder mit seiner Jugend­gruppe umsetzen und aus­pro­bieren möchte. Diese bekommen die Teil­nehmer dann einige Zeit später als Erin­ne­rung zuge­schickt. Nachdem alle ihre Teil­nah­me­bestätigungen erhalten hatten und sich ver­ab­schie­deten, war man sich einig: tolle Erfah­rungen mit einer netten Gruppe und viel Spaß, die Methoden durchweg geeignet für die eigene Jugend­feu­er­wehr. Los geht’s beim Aus­pro­bieren!

Katrin Hem­mer­lein (mit herz­li­chem Dank für die Unterstützung von fol­genden Per­sonen: unser Gerätewart Wolf­gang, Julia, Heiner und Frau Ehr­lich sowie den Kame­raden der Leis­tungs­ab­zei­chen für das Verständnis. Vielen Dank auch an die Stadt Lauffen für die Bereit­stel­lung des Gerätehauses und des Vitos. Zudem herz­li­chen Dank an alle Lauf­fener Mitbürger die bei Hans im Glück mit­ge­tauscht haben, ver­trau­ens­voll mit den Teil­neh­mern Kaffee getrunken haben oder den Teil­neh­mern mit Behin­de­rungen geholfen haben)