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Am Dienstagnachmittag geht's zur Feuerwehr-AG

Lauffen a.N.von Rolf Muth, HSt

„Dreh das mal wie eine Spru­del­fla­sche auf.“ Emirhan muss über die Ansage von Jugend­grup­pen­leiter Timo Leh­mann kurz nach­denken: Rechts oder links herum? Das macht man übli­cher­weise doch ganz mecha­nisch. Beim Stand­rohr­schlüssel muss der Elfjährige aller­dings kurz über­legen. Dann drückt er das über einen Meter lange Eisen nach links, also richtig herum, um dem Wasser freie Bahn zu ver­schaffen. Die Luft zischt, das Wasser spru­delt aus dem Unter­flur­hy­dranten ins Stand­rohr.

Die Feu­er­wehr Lauffen testet ein kreis­weit ein­ma­liges Pro­jekt, sagt der Chef der Jugend­wehr in der Hölder­lin­stadt, Timo Kraft. Zum ersten Mal koope­rieren die Feu­er­wehrmänner eng mit der Werk­re­al­schule. Besuche gab es zwar schon häufiger. Doch bei der letzten Begeg­nung haben Schul­leiter Chris­tian Müller und Kraft die Koope­ra­tion fest­ge­macht.

Diens­tags ist Feu­er­wehr-AG

Ergänzend zu den bestehenden Arbeits­ge­mein­schaften haben die Schülerinnen und Schüler der Lauf­fener Werk­re­al­schule nun auch die Möglich­keit, als AG die Feu­er­wehr zu wählen. Damit haben sie an einem Nach­mittag zwar frei, müssen aber jeden zweiten Dienstag im Magazin in der Raiff­ei­sen­straße 1 anrücken.

Die Koope­ra­tion soll das ganze Schul­jahr laufen. Kraft erhofft sich davon eine lang­fris­tige Bin­dung an die Feu­er­wehr. Daher sind die vier Jungs und das eine Mädchen, die sich für die Wehr ent­schieden haben, auch gleich als Mit­glieder in die Jugend­feu­er­wehr auf­ge­nommen worden. Gefällt ihnen das Angebot nicht, sind sie nach einem Jahr wieder von der Besuchs­pflicht, die doku­men­tiert wird, befreit. Die Fünftklässler sind moti­viert, hören genau zu, was ihnen Feu­er­wehr­mann Timo Leh­mann zu den ver­schie­denen Hydranten in der Stadt erzählt. Hun­derte gibt es davon in Lauffen, die alle­samt im Boden ver­steckt sind. Unter­flur­hy­dranten heißen sie daher.

Wie stark ist acht bar Druck?

Zwei Abgänge hat das soge­nannte Stand­rohr, das auf den Was­ser­zu­gang auf­ge­schraubt wird. An diese können zwei Schläuche ange­schlossen werden. Um den nötigen Druck von acht bar zu bekommen, würde die Feu­er­wehr jetzt eine Pumpe dazwi­schen­schalten. Die könnte zwar bis zu 2500 Liter Wasser in der Minute fördern, doch die Lei­tung gibt nur 800 Liter her. „40 Liter in der Minute genügen für den Innen­an­griff aus. Wichtig ist nur der Druck“, weiß Kraft. Und der reicht aus dem C-Rohr für eine Weite von 50 Meter.

Kraft erzählt den wiss­be­gie­rigen Kin­dern, dass man mit hohem Was­ser­druck sogar Metall schneiden kann. In der Indus­trie wird dabei mit einem Druck von 5000 bar und mehr gear­beitet. Den­noch warnt Leh­mann: „Geht am besten zur Seite.“ Nicht weil es weh tun würde, wenn der Was­ser­strahl aus dem Stand­rohr einen der kleinen Wehr­leute treffen würde. Man würde ein­fach tropf­nass. Und bei sechs Grad Außentem­pe­ratur ist dann der Schnupfen sicher.

Die Hydranten sind fast aus Lauffen ver­schwunden

Eine rote Säule ein paar Meter weiter erweckt die Neu­gier der Kinder: Es ist ein Ober­flur­hy­drant. Davon gibt es nur noch vier oder fünf in der Stadt, meis­tens bei öffent­li­chen Gebäuden. Gut kennt man die roten Hydranten aus ame­ri­ka­ni­schen Filmen. Fährt ein Auto dagegen, zischt die meter­hohe Was­sersäule hervor. „Bei uns ist das nicht so“, sagt Kraft. Der Hydrant ist gesi­chert. Bevor Wasser über­haupt aus der Lei­tung kommt, drehen Emirhan und Nina (13) die acht Zen­ti­meter starke Sechs­kant­schraube mit dem Hydran­tenschlüssel auf. Das kostet ganz schön Kraft.

Nina hat gut auf­ge­passt. Für den Lösch­an­griff in der Stadt hat die Feu­er­wehr also gute Möglich­keiten. „Wie ist es aber bei einem Wald­brand“, fragt sie. Kraft: „Wir haben in Lauffen zwei Fahr­zeuge mit jeweils 2500 Litern Wasser an Bord.“ Würde das nicht rei­chen, kommt die Über­land­hilfe aus Heil­bronn. Die Kame­raden haben zwei Tank­fahr­zeuge, die ins­ge­samt 22.000 Liter fassen. Not­falls kann die Lauf­fener Wehr eine Was­ser­ver­sor­gung durch Schläuche auch über längere Stre­cken auf­bauen.

Klar, dass jetzt das Fahr­zeug selbst an die Reihe kommt: Beleuch­tungs- und Signalgeräte, Atem­schutz, Werk­zeug, Pumpen - aller­hand Mate­rial hat das Feu­er­wehr­auto an Bord. Jede Menge Lern­stoff, der auf die Schüler in den nächsten Monaten wartet.