Kreisfeuerwehrverband Heilbronn

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Heilbronnvon Helmut Buchholz, HSt

Eisrettungsübung der Berufsfeuerwehr Heilbronn

Tim Rocksin fröstelt ein bisschen. Richtig kalt ist ihm aber nicht. Und das grenzt schon fast an ein Wunder. Denn der 23-jährige Heilbronner Feuerwehrmann hat gestern im zugefrorenen Sprungbecken des Freibads Neckarhalde getaucht - nach vermissten Menschen. „Wir müssen für den Ernstfall vorbereitet sein", erklärt Kommandant Eberhard Jochim die kurzfristig anberaumte Übung. Bei den derzeitigen Minusgraden frieren Seen zu, die Leute wagen sich aufs Eis. Manche sind zu waghalsig.

Gefährlich

„Die Menschen glauben nicht, dass es gefährlich ist und sind unvernünftig", berichtet der Chef der Wehr aus seiner eigenen Beobachtung. „Und damit meine ich nicht nur die Kinder." Dabei ist jemand, der in etwa null Grad kaltes Wasser einbricht, höchstens noch fünf Minuten bei Bewusstsein. Nicht viel Zeit also für die Retter. Darum müssen sie schnell sein, alles muss Hand in Hand gehen. Deshalb ist die Probe aufs Exempel so wichtig. Auch wenn es sich um die vielleicht schwierigste Übung handelt, die ein Feuerwehrtaucher absolvieren muss, so Tim Rockin.

Bricht ein Mensch ein und verschwindet womöglich unter der Eisschicht, versucht ein Feuerwehrmann zunächst mit der Motorsäge ein etwa zwei mal zwei Meter großes Loch für den Einstieg zu schneiden. Ein Quadrat aus Leitern oder Brettern sichert den Retter ab. Durch diese Luke steigt der Taucher ins Wasser, gesichert mit einer Leine und ständig über Funktelefon in Sprechverbindung mit seinen Kollegen an Land. Ein Trockenanzug verhindert, dass der Körper des Froschmanns selbst nass wird - und dadurch abkühlt. „Die Kälte spürt man gar nicht", sagt Tim Rocksin nach seinem Übungseinsatz. Schwieriger sei die Orientierung. „Es ist trüb da unter dem Eis." Das Seil, genauer, die Seillänge gibt ihm die Suchfläche vor. Wie ein „Scheibenwischer", so Kommandant Jochim, sucht der Taucher in immer größeren Halbkreisen den Untergrund ab. Er findet nach wenigen Minuten die Puppe, die die Feuerwehr am Tag zuvor im Becken versenkt hat. Das Seil navigiert ihn im Notfall wieder zum Loch zurück.

Horrorvision

Angst kann dem Taucher genauso wenig anhaben wie der Frost. Obwohl, wie Tim Rocksin zugibt, es für viele die Horrorvision schlechthin ist: lebendig unterm Eis begraben. Aber die Taucher sind Profis. „Wir haben eine gute Ausbildung und sind gut vorbereitet."

Der Ernstfall passiert zum Glück äußerst selten. Kommandant Jochim erinnert sich an eine Rettung aus dem zugefrorenen See im Böckinger Ziegeleipark vor sechs Jahren. Damals brachen zwei Jugendliche ein, gingen aber nicht unter. Es reichte das sogenannte Hansa-Board, eine Art flaches Plastikschiff. Auf ihm rutscht der Retter zum Verunglückten. Auch das übten die Feuerwehrmänner gestern im Freibad Neckarhalde.

Bild 1: Schwerstarbeit: Der Feuerwehrtaucher übt unter Ernstbedingungen - bei etwa zwei Grad Wassertemperatur im Freibad Neckarhalde. Bild 2: Erst das Loch, dann die Rettung: Ein Helfer sägt eine Einstiegsluke ins Eis. (Fotos: Ulrike Kugler)

 

Hintergrund:

Tipps bei einem Unfall

  • Wer sieht, dass jemand im Eis einbricht, sollte sofort die Feuerwehr unter Notruf 112 alarmieren.
  • Vorsicht: Helfer bringen sich schnell selbst in Gefahr.
  • Wer sich auf die Eisfläche begibt, sollte eine Unterlage haben, um das Gewicht zu verteilen: Leiter, Bretter, Zaun.

Feuerwehrtaucher

Die Heilbronner Feuerwehr hat 44 Taucher, die zu etwa zehn bis 15 Einsätzen pro Jahr alarmiert werden: von der Bergung von Personen in Not bis zu Schiffshavarien.