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Wehren üben den Ernstfall in leerstehendem Wohngebäude in Fürfeld

Bad Rappenauvon Nicole Theuer, HSt

Hand in Hand in rea­lis­ti­schem Sze­nario

Die inter­kom­mu­nale Zusam­men­ar­beit der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Bad Rap­penau, Abtei­lung Wol­len­berg, und der benach­barten Wehr aus Hüffen­hardt funk­tio­niert schon seit Jahren. Um Abläufe zu üben und zu ver­bes­sern, gab es am jetzt eine gemein­same Übung in Fürfeld.

Es ist Frei­tag­abend. Das Ther­mo­meter zeigt 33 Grad Cel­sius, als aus einem Anwesen in der Fürfelder Hölder­lin­straße weißer Rauch dringt. Den Griff zum Tele­fonhörer, um die Ret­tungskräfte zu alar­mieren, können sich die Anwohner sparen. Patrick Wagner, Abtei­lungs­kom­man­dant in Wol­len­berg, und Torsten Heiß, Kom­man­dant der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Hüffen­hardt, haben diesen Rauch selbst erzeugt. „Da drin sieht man die Hand vor Augen nicht mehr“, stellt Wagner nach ein paar Minuten zufrieden fest. Der Übung in dem ver­rauchten Objekt mit Per­so­nen­suche steht also nichts mehr im Wege. Es soll rea­lis­tisch sein.

Des­halb schlüpft Heiß in die Rolle des Haus­be­sit­zers, der beim Nach­hau­se­kommen Rauch aus den Fens­tern quillen sieht, den Notruf absetzt und dann auf­ge­regt auf die Ret­tungskräfte zustürmt und sie ins Haus zerren will, weil seine Frau und die Kinder noch drin sind. „Wir haben einen Brand in beiden Etagen des Zwei­fa­mi­li­en­hauses ange­nommen“, wird Ein­satz­leiter Ilja Woita­schek später erzählen. „Nach der Erkun­dung haben wir fest­ge­stellt, dass es in einer größeren Aus­deh­nung brennt und die Abtei­lung Wol­len­berg an ihre Grenzen stößt. Des­halb wurde die Feu­er­wehr Hüffen­hardt nach­alar­miert.“ Während sich die Männer aus dem Neckar-Oden­wald-Kreis auf der Anfahrt befinden, machen sich die Wol­len­berger daran, die ver­missten Per­sonen zu suchen und den Lösch­an­griff zu starten. Ein Rauch­vor­hang wird an der Abschlusstür zur unteren Etage gesetzt, Wehrmänner mit Atem­schutz sind zu sehen, die im Inneren des Hauses für Rauchabzüge sorgen und die Fenster öffnen. Schnell ist einer der drei Übungs­dummys gefunden und wird ins Freie gebracht, wo die Erst­ver­sor­gung und die Übergabe an den – an diesem Abend nur fiktiv anwe­senden – Ret­tungs­dienst erfolgt. Als die Hüffen­hardter Wehr ein­trifft, sucht sie die beiden wei­teren Ver­missten. Einer muss reani­miert werden. Mit Herz­druck­mas­sage und Mund-zu-Nase-Beatmung wird dem Dummy neues Leben ein­ge­haucht. Während sich zwei Hüffen­hardter um die geret­tete Person kümmern, bringen andere Ein­satzkräfte einen Druck­luftlüfter in Stel­lung und blasen den letzten Rauch aus dem Gebäude. Nach gut einer Stunde ist die Übung beendet, die Übungs­be­ob­achter sind zufrieden.

Schwere Schläuche Warum gehen Wol­len­berg und Hüffen­hardt zu einer Übung nach Fürfeld? Woita­schek erklärt: „Übungs­ob­jekte gibt es nicht wie Sand am Meer. Hier können wir so realitätsnah wie möglich üben.“ Da das Haus sehr oft zu Übungs­zwe­cken genutzt wird, müssen die Übenden auf den Ein­satz von Löschwasser im Inneren ver­zichten. Um den Angriffs­trupps jedoch einen Ein­druck von der Schwere was­sergefüllter Schläuche zu geben, wurden die Hydranten geöffnet, die Schläuche ange­schlossen und auch Wasser auf die Schläuche gegeben. Dass die Hüffen­hardter Wehr die Möglich­keit hatte, mit Wol­len­berg in Fürfeld zu üben, begrüßt auch Jörg Kir­schen­lohr. Der Kreis­brand­meister des Neckar-Oden­wald-Kreises: „Wir müssen froh sein, wenn wir solche Übungs­ob­jekte haben, und wenn wir das ange­boten bekommen, greifen wir zu. Bei uns wird das oft gemacht, und dafür nehmen wir auch wei­tere Anfahrten in Kauf.“ Auch die inter­kom­mu­nale Zusam­men­ar­beit stellt Kir­schen­lohr heraus. „Die funk­tio­niert. Auch im Ernst­fall werden Wol­len­berg und Hüffen­hardt gemeinsam alar­miert.“ Apropos Ernst­fall. Damit das Wol­len­bachtal am Frei­tag­abend nicht ohne Ret­tungskräfte der Feu­er­wehr war, wurde eine Ersatz­alar­mie­rung mit der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Helm­stadt-Bargen ein­ge­richtet.

Übungs­ob­jekt:

Am Ende der Fürfelder Hölder­lin­straße befand sich früher die Gärtnerei Reuss. Nach der Geschäfts­auf­gabe erwarb die Stadt Bad Rap­penau das Objekt samt den dazugehörigen Flächen und stellt das Areal nun der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr zu Übungs­zwe­cken zur Verfügung. Für die Wehr ein Glücks­fall, wie die Ver­ant­wort­li­chen uni­sono betonen. Für die nahe Zukunft äußert Abtei­lungs­kom­man­dant Patrick Wagner einen Wunsch. „Viel­leicht erlaubt uns die Stadt ja eine Übung im Rapp­sodie, bevor es abge­rissen wird.“