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Spritzenübergabe bei der Feuerwehr Bad Rappenau

Bad Rappenauvon Nicole Theuer, HSt

Das Ende einer Ära: Die arbeits­me­di­zi­ni­schen Unter­su­chungen der Flo­ri­ansjünger über­nimmt zukünftig Dr. Mark Glasauer aus Fürfeld.

Manch Pas­sant reibt sich ver­wun­dert die Augen. Ohne, dass ein Signal­horn zu hören ist, rückt die Frei­wil­lige Feu­er­wehr Bad Rap­penau mit der Dreh­leiter in Fürfeld an und hält vor der Praxis von Dr. Mark Glasauer. Schnell wird klar: Es gibt keinen Not­fall. Des­halb kann der Arzt auch ganz ent­spannt die Räumlich­keiten auf­schließen und seine Besu­cher begrüßen. Allen voran den Arzt-Kol­legen Dr. Lars Schu­bert und den Feu­er­wehr­kom­man­danten Felix Mann.

Der hat, neben der Dreh­leiter noch einen Ergo­meter mit­ge­bracht. Warum? Die Auflösung gibt’s etwas später. An diesem Tag endet jeden­falls eine Ära. Schu­bert reicht die sym­bo­li­sche Spritze an seinen Kol­legen weiter, der zukünftig die arbeits­me­di­zi­ni­sche Unter­su­chung für die Atem­schutzgeräteträger durchführen wird. „Das ist nach der langen Zeit auch eine emo­tio­nale Sache“, erklärt Mann.

Er berichtet von dem „Ärzte­mangel im Bereich der Arbeits­me­dizin. „Des­halb sind wir froh, dass wir auch zukünftig im Stadt­ge­biet betreut werden können.“ Um Glasauer mit der Unter­su­chung der etwa 120 Atem­schutzgeräteträger betrauen zu können, nutzt die Feu­er­wehr eine Aus­nah­me­re­ge­lung. Mann: „Der zuneh­mende Mangel an Arbeits­me­di­zi­nern brachte bereits vor Jahren die gesetz­liche Unfall­ver­si­che­rung dazu, für die rund 24000 Feu­er­wehren in Deutsch­land eine Aus­nahme einzuführen, dass die Eig­nungs­un­ter­su­chung der Atem­schutzgeräteträger auch von All­ge­mein­me­di­zi­nern durchgeführt werden kann.“

Mann erklärt: „Als ein in Not­fall­si­tua­tionen erfah­rener Inter­nist, der unter anderem auch als Lei­tender Not­arzt qua­li­fi­ziert ist, unter­stellen wir, dass er geeignet ist.“ Die Alter­na­tive, wenn sich Glasauer nicht bereit erklärt hätte? „Unsere Atem­schutzgeräteträger hätten nach Heil­bronn fahren müssen. Das hätte aber bedeutet, dass sie als Ehren­amt­liche Urlaub oder Frei­zeit opfern müssen, um die Unter­su­chung zu machen.“ Noch ein wei­terer Punkt spricht für den Fürfelder Doktor. „Man braucht als Atem­schutzgeräteträger ein Ver­trau­ens­verhältnis zu seinem Arzt. Des­halb wollten wir einen festen Ansprech­partner und ver­meiden, dass jede Unter­su­chung von einem anderen Arzt durchgeführt wird, wie das bei man­chen Insti­tuten der Fall ist.“

Schu­bert stellt rückbli­ckend fest: „Es ist gut, wenn man diese Unter­su­chungen in einer lau­fenden Praxis mit der dor­tigen Infra­struktur macht.“ Seinem Nach­folger gibt der 65-Jährige den Rat: „Zielführend und pra­xis­ori­en­tiert an die Unter­su­chungen her­an­zu­gehen.“

Bevor Mark Glasauer der Ret­tungs­or­ga­ni­sa­tion sein Ja-Wort gab, hatte er sich infor­miert, was zu leisten ist, welche Vor­schriften es gibt, und über­legt, ob er das alles auch leisten kann. „Ich wollte nichts ver­spre­chen, was ich nicht halten kann.“ Was wird im Rahmen der Unter­su­chung eigent­lich unter­sucht? Schu­bert zählt auf: „Seh- sowie Hörtest, Labor­un­ter­su­chung, Lun­gen­funk­ti­ons­test und Belas­tungs-EKG.“ Für das Letzt­ge­nannte ist das mit­ge­brachte Ergo­meter ange­dacht. Wieso aber auch ein Seh- und Hörtest? „Die Scheibe des Atem­schutzgerätes beschlägt, das muss man beachten.“ Aber auch bei einer beschla­genen Scheibe muss der Kamerad noch was erkennen können. „Bei­spiels­weise bei einem Ein­satz mit Gefahrgut die Beschrei­bung der gela­gerten Stoffe.“

Und der Hörtest? „Ist wichtig, damit die Kame­raden den Warnton hören, der anzeigt, dass die Fla­schen leer werden. Genau auf diesen Ton sind die Hörtests aus­ge­richtet.“ Nach all diesen Einführungen geht es an den sym­bo­li­schen Akt der Spritzenübergabe. Die findet, – stil­ge­recht – mit­tels Dreh­leiter statt. Schu­bert über­reicht, im Korb in luf­tiger Höhe ste­hend, die Spritze an Glasauer, der sie am Pra­xis­fenster ent­ge­gen­nimmt.

Atem­schutzgerät:

Für Kom­man­dant Felix Mann ist es von essen­ti­eller Bedeu­tung, genügend Atem­schutzgeräteträger im Ein­satz zu haben. „Wir haben grundsätzlich den Anspruch, dass jeder in der Lage ist, Atem­schutzgeräteträger zu werden“, macht er deut­lich, „aller­dings haben wir fest­ge­stellt, dass wir ab und zu geben und jedem seinen Platz bieten müssen.“ Ob sich jemand die Posi­tion des Atem­schutzgeräteträgers zutraut und wenn ja, wie lange, hängt nach Ansicht der Medi­ziner auch von Selbst­einschätzung der Aktiven ab – wie es auch im Ein­satz auf die Selbst­einschätzung ankommt. „Die höchste Gefahr ist das Eigen­ver­halten“, macht Dr. Lars Schu­bert deut­lich, „man muss auf­merksam sein, auf den Körper hören und immer noch den Rückweg ein­planen.“