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Flächenbrände und weitere Einsätze: Wie ein Feuerwehrmann den Hitzesommer erlebt

Neuenstadt a.K.von Levin Schröder, HSt

Flächenbrände beschäftigen die Feu­er­wehren aktuell häufig, dazu kommen Unfälle und Co. Was bedeuten die ständigen Einsätze? Ein Feu­er­wehr­mann aus Neu­en­stadt berichtet.

Noch vor der ersten Gabel am Ess­tisch piepst es an Kevin Grünagels Gürtel. An diesem Tag ist es kein Flächen­brand, es ist ein Ver­kehrs­un­fall. „VU Pkw“ steht kryp­tisch auf dem kleinen Piepser. Fünf Buch­staben, die rei­chen, um den selbstständigen Stu­cka­teur aus dem Mittag zu reißen. In wenigen Minuten wird er im Sprint am Feu­er­wehrgerätehaus ange­kommen sein, wei­tere Minuten später am Unfallort auf der A81.

„Als Feu­er­wehr­mann bist du dau­ernd ein­satz­be­reit“, sagt Grünagel. Als Kind einer Feu­er­wehr­fa­milie kenne er es gar nicht anders. Der Alarm kann jeder­zeit kommen, beim Essen, bei der Arbeit, nachts. „Klar gibt es Situa­tionen, in denen du dir denkst, dass es gerade nicht passt.“ Im Ernst­fall spielt das aber keine Rolle. Und diesen gibt es aktuell häufiger als normal.

Viele Flächenbrände: Auch Neu­en­stadter Feu­er­wehr­mann gefor­dert

„Hier war ich dabei, hier war ich auch dabei und hier auch“, mur­melt Grünagel, als er durch die letzten Einsätze der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Neu­en­stadt scrollt. Ein Wort wie­der­holt sich: Flächen­brand. „Es wird auf jeden Fall mehr, das ist bei der Feu­er­wehr auch bekannt“, erzählt der Feu­er­wehr­mann.

Im Gebiet der Feu­er­wehr Neu­en­stadt seien es meist klei­nere Flächenbrände gewesen. „Das sind an sich nicht die größten und anspruchs­vollsten Einsätze“, sagt Grünagel. Gerade junge Grup­penführer könnten dabei Erfah­rungen sam­meln. Bei größeren Bränden sehe das anders aus: „Wenn rie­sige Flächen brennen, geht es viel um Taktik. Wenn es blöd läuft, dann rennst du dem Feuer hin­terher.“

Der 35-Jährige selbst war bei rund 70 bis 80 Pro­zent aller Einsätze in diesem Jahr dabei. Mehr als 70 Mal hieß es dabei für den Hand­werks­meister: Für ein paar Stunden alles stehen und liegen lassen. Und manchmal führt ein Ein­satz sogar direkt nach Hause. Bei einem Unwetter rückte Grünagel mit der Feu­er­wehr aus. Während­dessen rief seine Frau Selina an: Der eigene Keller stand unter Wasser. „Ich musste mit den Pumpen der Feu­er­wehr meinen eigenen Keller aus­pumpen“, erzählt er lachend.

„Tank auch mal leer“ – Feu­er­wehr­mann aus Neu­en­stadt dachte ans Aufhören

Mitt­ler­weile ist davon nichts mehr zu sehen. 2016 hatte Grünagel das Haus mit seiner Frau gekauft. „Ich habe hier drin sehr viel selbst gemacht“, erzählt der Stu­cka­teur: „Anfangs haben wir quasi noch auf der Bau­stelle gelebt.“ Par­allel wagte Grünagel 2019 den Schritt in die Selbstständig­keit, wenige Jahre später folgte der Nach­wuchs. „Es gab schon Phasen, in denen es ins­ge­samt zu viel wurde“, erin­nert sich der 35-Jährige.

Mit dem Fußball hatte er bereits aufgehört, auch die Feu­er­wehr wackelte gedank­lich: „Wenn du abends im Bett liegst und weißt, dass morgen wieder 14 bis 16 Stunden Arbeit anstehen, ist der Tank auch mal leer.“ Mitt­ler­weile spielt der Gedanke keine Rolle mehr: „Aktuell kann ich mir nicht vor­stellen, irgend­wann nicht mehr bei der Feu­er­wehr zu sein.“

Das bedeutet aller­dings auch, dass seine Familie das Ehrenamt mit­tragen muss. „Es gibt viele persönliche Momente, wich­tige Gespräche oder Feiern, bei denen du ein­fach auf­springst und gehst“, sagt Grünagel. Dazu kommen reguläre Übungen, Aus­schuss­sit­zungen oder Spe­zia­li­sie­rungs­kurse. Seine Frau kenne das inzwi­schen. Schwie­riger sei es manchmal bei den beiden Kin­dern, gerade wenn auf­grund der Selbstständig­keit ohnehin wenig gemein­same Zeit bleibt.

Hitze-Einsätze und mehr: Feu­er­wehr funk­tio­niert nur im Kol­lektiv

Das Inter­esse an der Feu­er­wehr ist bei den beiden Söhnen trotzdem riesig. „Sie wollen dann immer wissen, zu wel­chem Ein­satz der Papa musste“, sagt Selina Grünagel. Auch im Feu­er­wehr-Voka­bular zeigt sich der ältere Sohn sicher: Das „Fahr­zeug mit Korb“ wird schnell als Dreh­leiter spe­zi­fi­ziert. „Ich ver­suche, sie bei Gele­gen­heiten mit zur Feu­er­wehr zu nehmen“, sagt Kevin Grünagel. Ob sie irgend­wann in die Fußstapfen des Vaters treten, wie Grünagel es selbst tat, sei dabei zweit­rangig. „Sie sollen mit­be­kommen, dass es neben dem Job und dem eigenen Glück auch noch andere Sachen gibt, die wichtig sind.“

Gleich­zeitig will Grünagel nicht den Ein­druck erwe­cken, er allein leiste etwas Beson­deres. „Du kannst im Ein­satz allein nichts machen.“ Dass aus­ge­rechnet er nun im Mit­tel­punkt dieses Textes steht, behagte ihm des­halb nicht ganz. „Ich möchte mich da nicht zu wichtig nehmen.“

Dass Feu­er­wehr nur im Kol­lektiv funk­tio­niert, zeigt sich auch am Tag des Gesprächs. Während Grünagel mit seiner Frau Ter­mine für die kom­mende Woche abstimmt, piepst es wieder. Bei ihm und in zahl­rei­chen anderen vier Wänden. In wenigen Minuten füllt sich das Feu­er­wehrgerätehaus erneut.