Seit diesem Jahr können Feuerwehrleute in Baden-Württemberg das neue Leistungsabzeichen ablegen. In Obersulm hat die Freiwillige Feuerwehr nun unter echten Bedingungen gezeigt, was verlangt wird.
Drei Monate haben sie trainiert, sich bis zu zwei Mal pro Woche getroffen und auf diesen Tag hingearbeitet. Jetzt stehen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Obersulm hinter dem Feuerwehrhaus der Abteilung 1 und atmen noch einmal tief durch, bevor es ernst wird. Auf dem Plan steht keine einfache Übung, sondern die Prüfung zum neuen Leistungsabzeichen in Bronze.
Jeder Handgriff muss sitzen, die Schiedsrichter schauen schließlich mit Argusaugen und registrieren jeden kleinen Fehler, der zu Punktabzug führt. „Bereit?“, fragt der Gruppenführer in die Runde. Acht Stimmen bestätigen mit einem lauten „Bereit!“, dann geht es los.
Neue Feuerwehrrichtlinie ist in Kraft, muss aber noch nicht angewendet werden
Schiedsrichterobmann Rainer Frisch ist entspannt. „Es gibt kaum Durchfaller, das Leistungsabzeichen hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt“, sagt er. Eine Woche zuvor hatten sich die Feuerwehrleute bereits an zwei Tagen in Schwaigern getroffen. Dort wurde noch nach der alten Ordnung geprüft. Nur fünf von fast 50 Gruppen aus mehreren Landkreisen waren durchgefallen. Sie dürften sieben Tage später in Obersulm noch mal ihr Können beweisen. Doch alle Augen sind auf die Teilnehmer gerichtet, die nach den neuen Regeln geprüft werden. „Wir führen die Übung heute vor, deshalb sind auch mehr Zuschauer da als sonst“, erklärt Hauptlöschmeister Marcel Karger.Während die Abläufe früher jahrzehntelang festgeschrieben waren, beginnt nun eine Übergangsphase: Die neue Richtlinie für das Leistungsabzeichen ist in Kraft, aber noch nicht für alle verpflichtend. Feuerwehren können bereits danach antreten – oder noch nach den bisherigen Vorgaben. „Es war einfach Zeit für eine Revision“, so Karger.
Keine Fehlerpunkte bei der Löschübung
Dann fährt das Einsatzfahrzeug auf den Hof. Schnell, aber bedacht steigen die neun Feuerwehrleute aus und entrollen die langen gelben Schläuche. Im ersten Teil der Prüfung gilt es, jeweils drei auf Bierbänken aufgestellte Kegel mit einem Wasserstrahl zu treffen.
Nachdem die Kegel gefallen sind, wechseln die Feuerwehrleute die Taktik. Aus dem harten, gebündelten Wasserstrahl wird ein breiter Sprühstrahl, der die Fläche vor dem Trupp abdeckt. Auch dieser Handgriff muss sitzen – denn im Ernstfall kommt es darauf an, das Wasser gezielt und kontrolliert einzusetzen und die Kontrolle über die Wucht zu behalten.
Mehrmals und in unterschiedlicher Besetzung wiederholt sich die Übung, nach der die Schiedsrichter zusammenkommen und sich beraten. „Ich habe bisher keinen einzigen Fehlerpunkt gefunden“, sagt Rainer Frisch leise. Die anderen nicken. „Es läuft alles sehr gut.“
Prüfung von Wissen, Technik und den sicheren Umgang mit den Geräten
Währenddessen werden im Hintergrund die Schläuche wieder aufgerollt und verstaut. Doch geschafft ist die Prüfung noch nicht. Im zweiten Teil müssen die Feuerwehrleute an verschiedenen Stationen zeigen, was sie können. Die Module prüfen Wissen, Technik und den sicheren Umgang mit den Geräten. Dafür hat der Gruppenführer, so wird es den Zuschauern erklärt, eins von vier Modulen gezogen.
Sechs Teile werden nun geprüft. Drei Minuten haben die Teilnehmer, um eine Schlauchbrücke aufzubauen, in voller Montur müssen zwei Männer mit einer Säge „Material trennen“, wie es im Fachjargon genannt wird. Auch Gerätekunde steht auf dem Plan: Die Funktionsweise mehrerer Gegenstände aus dem Einsatzfahrzeug muss fehlerfrei erläutert werden. Auch das läuft ohne Probleme.
Bestanden: Erleichterung bei allen Teilnehmern
Nach rund einer Stunde steht fest: Alle Feuerwehrleute haben das Leistungsabzeichen in Bronze bestanden. Lauter Applaus brandet auf, die Erleichterung ist allen an den Gesichtern abzulesen. Und auch die Schiedsrichter nicken zufrieden. „Der Zusammenhalt der Truppe“, erzählt Rainer Frisch, „wird durch solche Abzeichen noch mehr gefördert. Die Feuerwehr ist einfach eine große Gemeinschaft.“


