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Dabei sein, wenn der Alarm losgeht

Heilbronnvon Jürgen Kümmerle, HSt

Es ist ein Novum für die Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn. Mit Chantal Meidel hat die erste haupt­amt­liche Frau ihren Dienst ange­treten. Wenn der Alarm ertönt und die Berufs­feu­er­wehr ausrückt, ist die 24-Jährige mit dabei. Ihre beiden Kame­ra­dinnen sind eben­falls bei der Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn, aller­dings als Ange­stellte. Doch auch sie rücken aus, wenn die frei­wil­lige Abtei­lung der Feu­er­wehr Heil­bronn nach­alar­miert wird. Dann ist Frau­en­power im Ein­satz.

Meidel wurde das Feu­er­wehr-Gen in die Wiege gelegt. Papa, Bruder, Onkel – sie alle sind Mit­glieder bei der Frei­wil­ligen Feu­er­wehr Walldürn (Neckar-Oden­wald-Kreis). Und sie ist es seit zehn Jahren auch. Warum? „Lösungs­ori­en­tiertes Arbeiten, wenn der Bürger nicht weiß, wie er agieren soll, und die Feu­er­wehr hilft“, sagt sie.

Medi­en­ma­nage­ment

Der Gedanke gefällt ihr. Ihr Umfeld sei gar nicht so über­rascht gewesen, als sie erklärte, dass sie zur Berufs­feu­er­wehr geht. „Das passt ein­fach.“ Wobei sie zunächst einen ganz anderen Weg ein­ge­schlagen hatte. Die 24-Jährige hat erfolg­reich ihr Medi­en­ma­nage­ment-Stu­dium in Würzburg abge­schlossen. Durch ihre Zeit bei der frei­wil­ligen Abtei­lung in Walldürn und einem Pra­xis­se­mester in der Pres­se­stelle der Berufs­feu­er­wehr Stutt­gart fiel ihre Ent­schei­dung für die Pro­fi­ab­tei­lung der Feu­er­wehr. Die erste Frau in der Männerdomäne in Heil­bronn: „Finde ich span­nend. Und ich habe auch Respekt vor der Rolle.“ Hatte sie auch, als sie den Ein­stel­lungs­test bestehen musste. „Man muss trai­nieren. Aber das müssen Männer auch, wenn sie den Test machen.“

Dass es bis­lang noch keine Frau bei der Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn gibt, findet Meidel schade. „Viel­leicht ist es ein Hemmnis, wegen der vielen Männer. Oder den Frauen ist es zu tech­nisch.“ Ihr Motto: „Ein­fach pro­bieren. Es ist für jeden etwas dabei.“ Das wird man in der Haupt­wache in der Beet­ho­ven­straße nur allzu gerne hören. Auch die Berufs­feu­er­wehr buhlt um Nach­wuchskräfte. Des­halb freue man sich über jede Bewer­bung, erklärt Spre­cher Jürgen Vogt (56).

Archi­tektin

Auch über die von Julia Becker. Ihr Wer­de­gang ist auch ein inter­es­santer. Die Sont­hei­merin ist Archi­tektin. Zwei Wochen Brand­schutz-Crash­kurs haben sie begeis­tert. „Von da an war klar, dass ich mich als Brand­schutz­sach­verständige fort­bilden möchte“, sagt die 32-Jährige. Auf die aus­ge­schrie­bene Stelle bei der Berufs­feu­er­wehr bewirbt sie sich und erhält eine Zusage. Im Auf­trag der Feu­er­wehr berät sie bei größeren Pro­jekten, wenn es um Löschan­lagen, Brand­mel­de­an­lagen, Ret­tungs­wege und Not­aus­stiege geht. Trotz finan­zi­eller Einbußen ist der Job bei der Feu­er­wehr für die Hobbyjägerin die rich­tige Ent­schei­dung. Egal ob Autounfälle, Türöffnungen oder aus­tre­tende Gase – die Viel­sei­tig­keit sei span­nend. Sie sei ein Adre­na­lin­junkie. „Als ich mit der Dreh­leiter auf 30 Metern Höhe war, wollte ich danach gleich noch mal.“

Über die Familie hat sich auch Leonie Fell­eisen (24) aus Buchen (Neckar-Oden­wald-Kreis) infi­ziert. Oma, Opa und ihr Ehe­mann sind bei der Feu­er­wehr. „Mein Papa hat gesagt, trau Dich doch.“ Also bewirbt sie sich und erhält eine Zusage. „Ich hab’ Glück gehabt, dass ich hier anfangen durfte.“ Bei der Berufs­feu­er­wehr Heil­bronn ist sie als Atem­schutzgerätewartin ange­stellt. Atem­schutz­ausrüstung rei­nigen, Fla­schen füllen und prüfen gehören zu den Auf­gaben der gelernten Elek­tro­ni­kerin für Betriebs­technik. Dass sie vor allem mit Männern zu tun hat, kennt sie von ihrer Berufs­zeit vor der Feu­er­wehr. „Die Kame­raden hier sind alle sehr nett. Ich bin herz­lich auf­ge­nommen worden.“ Als Frau dürfe man ein­fach machen. Eins eint alle drei Frauen. „Wenn der Alarm los­geht, wollen wir dabei sein“, sagt Fell­eisen.

„Ein­fach pro­bieren. Es ist für jeden etwas dabei.“
(Chantal Meidel)