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Brand in Asylheim in Heilbronn: Überlebender bedankt sich bei Feuerwehr

Heilbronnvon Adrian Hoffmann, HSt

Der ira­ki­sche Flücht­ling Srod Mohammed hat einen Brand in einem Asyl­heim in Heil­bronn-Böckingen nur knapp über­lebt. Ein­satzkräfte ret­teten ihn im letzten Moment.

An die ersten Tage nach dem Feuer kann sich Srod Mohammed nicht erin­nern. „Ich weiß nicht mehr, was pas­siert ist“, sagt er. Der 26-jährige Asyl­be­werber aus dem Irak lag im Heil­bronner Kran­ken­haus am Gesund­brunnen im Koma. Unter anderem erlitt er eine schwere Rauch­gas­ver­gif­tung – doch er kam wieder auf die Beine. Und bedankt sich nun bei den Ein­satzkräften der Feu­er­wehr.

Denn sie waren es, die Mohammed das Leben gerettet hatten. Auf der Insta­gram-Seite der Feu­er­wehr Heil­bronn schickt er Herz­chen und eine rote Rose. „Vielen Dank“, schreibt er. „Der Feu­er­wehr­mann hat mir das Leben gerettet.“ Damit meint Mohammed den Dreh­leiter-Maschi­nisten, zu dem er in den Korb gesprungen ist. „Wir hoffen, dass es Ihnen wieder soweit gut geht“, kam als Ant­wort zurück, „und wünschen Ihnen alles Gute für das neue Jahr.“

Es geschah in der Nacht auf Dienstag, 17. Dezember. Gegen 2.20 Uhr wurde der Feu­er­wehr ein Brand in der vierstöckigen Flücht­lings­un­ter­kunft in der Neckar­garta­cher Straße in Böckingen gemeldet. „Beim Ein­treffen an der Ein­satz­stelle hing ein Bewohner bereits an der Fens­terbrüstung und schrie um Hilfe“, hieß es im Nach­be­richt der Feu­er­wehr.

Es han­delte es sich um Srod Mohammed, in dessen Zimmer in einem Ober­ge­schoss der Brand aus­brach. Durch den schnellen Ein­satz der Dreh­leiter habe er im letzten Moment gerettet und in eine Klinik ein­ge­lie­fert werden können, teilte die Feu­er­wehr mit.

Mohammed schil­dert in gebro­chenem Deutsch, er sei in jener Nacht durch das Piepsen der Rauch­melder geweckt worden. Dann erst habe er bemerkt, dass seine Füße ganz heiß seien und ein Ohr. Weil er so schlecht schlafen könne, nehme er starke Schlaf­ta­bletten, erklärt Mohammed. Ohne die Rauch­melder wäre er ver­mut­lich nicht wach geworden, meint er. Warum das Feuer aus­brach, wisse er nicht. Auch nach Angaben der Polizei ist die Ursache noch unklar, ein Gut­achten ist in Arbeit.

Er habe ver­sucht, von seinem Zimmer in den Gang zu kommen, berichtet Mohammed. Doch die Tür sei nicht auf­ge­gangen. Er flüchtete auf die Fens­terbrüstung – in der Hoff­nung, der Zim­mer­nachbar lasse ihn durch sein Fenster rein. Doch nie­mand habe geöffnet. Dann nahte die ret­tende Dreh­leiter.

„In diesem Fall war es wirk­lich knapp“, sagt Jürgen Vogt, Spre­cher der Heil­bronner Berufs­feu­er­wehr. Der Mann habe schon heiße Finger gehabt. Der Dreh­leiter-Maschi­nist habe intuitiv gehan­delt – übli­cher­weise fährt man mit der Dreh­leiter von oben nach unten, um Men­schen auf­zu­sam­meln. Doch die Situa­tion sei akut gewesen. Der Maschi­nist habe die Bri­sanz erkannt. Beim Sprung in den Korb sei die Dreh­leiter gegen die Wand des Asyl­heims geknallt – aber ein Leben war gerettet. „Manchmal ist es gut, keinen Theo­re­tiker in der Dreh­leiter zu haben“, sagt Vogt.

Dass sich Geret­tete bei der Feu­er­wehr melden, sei eher die Aus­nahme, so Vogt. Natürlich freuten sich die Ein­satzkräfte über ein Dan­keschön. Aber letzt­lich „machen wir halt unseren Job“. Seine Erfah­rung sei, dass Über­le­bende von schlimmen Bränden oder Unfällen eher Abstand vom Geschehen bräuchten, und sich viel­leicht auch des­halb nicht bei den Ein­satzkräften mel­deten. Immer wieder fragten sich auch Ein­satzkräfte, wie es Opfern ginge. Doch auf­grund von daten­schutz­recht­li­chen Bestim­mungen bekomme man kaum etwas mit.

Er habe noch Tage nach dem Kran­ken­haus­auf­ent­halt Blut gespuckt, schil­dert Srod Mohammed. Die Rauch­gas­ver­gif­tung sei schwer gewesen. Auch klei­nere Brand­wunden hatte er erlitten. Die Ärzte hätten ihm gesagt, er habe großes Glück gehabt. Inzwi­schen gehe es ihm wieder besser.

2015 sei er bereits nach Deutsch­land gekommen, aus der Stadt Zaxo in der Auto­nomen Region Kur­di­stan im Nord­irak. Er zeigt Fotos auf dem Handy, die ihn mit einer schweren Schuss­ver­let­zung in einem Kran­ken­haus im Irak zeigen. Von jahr­zehn­te­langen Kon­flikten zwi­schen Fami­lien berichtet er, wes­halb er auch geflohen sei.

Er sei dankbar für die Hilfe, die er in Deutsch­land erfahren habe, so Mohammed. Ein sol­ches Feu­er­wehr­auf­gebot sei im Irak unvor­stellbar, ebenso die Ver­sor­gung im Kran­ken­haus. Mohammed klingt immer wieder pes­si­mis­tisch im Gespräch. Aber jetzt, wo ihm das Leben gerettet wurde, hoffe er nochmal auf eine Chance. Er wolle bald über eine Leih­firma als Lage­rist anfangen, um sein eigenes Geld zu ver­dienen.